Nioh 3 wirft die Serie nicht um, aber es löst ein altes Problem sehr sauber: Du hängst seltener stumpf an einer Wand fest. Die offeneren Gebiete geben dir mehr Raum zum Vorbereiten, Sammeln und Ausprobieren. Gleichzeitig bleibt der Kern erhalten: präzise Kämpfe, harte Bosse, viele Werte und noch mehr Ausrüstung.
Gerade deshalb wirkt dieser dritte Teil wie der bisher beste Einstieg für alle, die Nioh immer spannend fanden, aber Respekt vor dem Aufwand hatten. Serienfans bekommen kein weichgespültes Spiel. Sie bekommen mehr Tempo, mehr Kontrolle und einen besseren Spielfluss.
Mehr Freiheit statt Missionskette
Nioh 3 setzt nicht mehr auf die stark abgesteckten Level der Vorgänger. Stattdessen reist du durch größere Open-Field-Gebiete, die jeweils an eine Zeitperiode gebunden sind. Das ist keine klassische Open World, aber die Veränderung ist deutlich spürbar.
Die Karten bleiben überschaubar genug, um nicht auszufransen. Trotzdem bieten sie mehr Nebenwege und Ablenkung. Du infiltrierst Lager, stellst dich optionalen Gegnern in Arenen, hilfst NPCs oder jagst kleinere Yokai. Das wirkt nicht wie ein komplett neues Spiel, aber es verändert den Rhythmus.
Der wichtigste Punkt: Wenn ein Boss gerade zu hart ist, musst du nicht nur gegen dieselbe Wand rennen. Du kannst andere Aufgaben erledigen, Stufen gewinnen, Ausrüstung verbessern und später zurückkommen. Das nimmt Druck aus dem Fortschritt, ohne den Anspruch zu streichen.
Die Kämpfe bleiben das Herzstück
Im Kampf fühlt sich Nioh 3 klar wie Nioh an. Waffentypen, Haltungen, Ki-Management und die bekannten Dämonengegner bilden weiter das Fundament. Wer die ersten beiden Teile kennt, findet schnell in den Ablauf.
Der neue Ninja-Stil bringt aber mehr als nur eine andere Animation. Per Knopfdruck wechselst du zwischen dem robusteren Samurai-Spiel und einem schnelleren Shinobi-Ansatz. Als Ninja bewegst du dich flinker, kommst leichter in den Rücken von Gegnern und nutzt Ninjutsu-Techniken. Dafür treffen dich Fehler härter.
In normalen Kämpfen kannst du lange bei deinem Lieblingsstil bleiben. Gegen zähe Bosse lohnt sich der Wechsel stärker. Mal schmilzt du als Ninja die Ausdauer eines Gegners herunter, mal blockst oder parierst du als Samurai besser. Besonders bei schweren Angriffen entscheidet der rechtzeitige Stilwechsel über Sieg oder Bildschirmtod.
Schwerer, aber fairer zu lesen
Nioh 3 wirkt an manchen Stellen freundlicher als seine Vorgänger. Das liegt nicht daran, dass die Bosse plötzlich harmlos wären. Es liegt an der neuen Struktur. Du kannst dich besser vorbereiten und deine Figur gezielter stärker machen, bevor du dich an die nächste große Hürde wagst.
Das Spiel bleibt trotzdem ein harter Vertreter seines Genres. Optionale Kämpfe und Story-Bosse verlangen weiter Timing, Geduld und saubere Entscheidungen. Wer nur blind angreift, wird schnell bestraft. Wer lernt, wird belohnt.
Für Einsteiger ist das eine gute Mischung. Die Geschichte verlangt kein großes Vorwissen, und das offenere Design erlaubt Umwege. Veteranen bekommen weiter genug Gegenwehr, vor allem wenn sie optionale Herausforderungen suchen.
Loot: Starkes System, viel Menüarbeit
Nioh 3 bleibt beim Loot sehr großzügig. Fast jeder einfache Gegner lässt Ausrüstung fallen. Darunter steckt viel Ballast, aber auch immer wieder ein nützliches Teil für deinen Build.
Das kann motivieren, wenn du gern an Werten schraubst. Es kann aber auch bremsen. Das Tragelimit von 2000 Ausrüstungsteilen zeigt ziemlich gut, wie massiv die Beuteflut ausfällt. Irgendwann musst du verkaufen, zerlegen oder bei der Schmiedin Materialien einsetzen.
Wer diese Detailarbeit mag, bekommt viel Spielraum. Wer nur kämpfen will, nutzt besser die Auto-Rüstfunktion und legt die gewünschte Gewichtsklasse fest. Das rettet nicht jedes Menüproblem, aber es senkt die Reibung spürbar.
Japan durch mehrere Zeiten
Die Handlung setzt im Jahr 1622 an. Takechiyo Tokugawa steht kurz davor, Shogun zu werden. Sein Bruder Kunimatsu verbündet sich aus Neid mit dunklen Mächten und löst eine Dämonen-Ära aus. Von einem Schutzgeist geführt, reist Takechiyo durch die Zeit, um das Chaos zu richten.
Das ist keine tief inszenierte Story, aber ein brauchbarer Rahmen für die Reise. Vorher baust du dir im umfangreichen Charaktereditor deine eigene Hauptfigur. Danach führt dich das Spiel durch unterschiedliche Bilder des feudalen Japan.
Die Schauplätze reichen von kriegsgezeichneten Schlachtfeldern am Ende der Sengoku-Zeit über verschneite Berge der Heian-Zeit bis zu beleuchteten Vergnügungsvierteln im Kyoto der Bakumatsu-Zeit. Das sorgt für mehr Abwechslung, als eine frühe Demo vermuten ließ.
Optisch stark genug, technisch nicht sauber genug
Die größeren Areale sind gut verzahnt und bieten immer wieder Ziele in der Ferne, die du tatsächlich erreichen kannst. Das stärkt den Entdeckerdrang. Nicht jede Textur wirkt modern, doch die visuelle Vielfalt fängt das meist auf.
Kritischer ist die Performance auf PlayStation 5. Der erste Schauplatz läuft noch weitgehend flüssig. Später treten regelmäßig deutliche Ruckler auf. Bei einem Spiel, das so stark von Reaktion und Timing lebt, fällt das mehr ins Gewicht als ein paar ältere Oberflächen.
Für wen sich Nioh 3 lohnt
Nioh 3 ist am stärksten, wenn du harte Kämpfe magst, aber nicht jeden Abend nur an derselben Bossarena hängen willst. Die offeneren Gebiete geben dir bessere Kontrolle über dein Tempo. Der Ninja-Stil macht die Gefechte schneller und variabler. Der Loot bietet Tiefe, verlangt aber Geduld im Menü.
Wer Nioh bisher zu sperrig fand, findet hier den besten Startpunkt. Wer die Reihe bereits liebt, bekommt keinen radikalen Bruch, sondern eine kluge Weiterentwicklung. Die Performance sollte noch verbessert werden, doch spielerisch steht Nioh 3 sehr stark da.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
