Arknights: Endfield hat eine Idee, die im Gacha-Bereich auffällt: Es verbindet ein Sci-Fi-RPG mit Basisbau und Automatisierung. Das ist kein zweites Factorio, aber genau darin liegt ein Teil seiner Stärke.
Der Test zeigt ein Spiel mit starken Figuren, viel Stil und angenehm zugänglichem Maschinenbau. Gleichzeitig hängen ihm bekannte Gacha-Probleme am Bein: viele Währungen, spürbarer Grind und ein Erzähltempo, das immer wieder ausbremst.
Talos-II ist spannend, aber der Einstieg zäh
Du spielst den Endministrator, kurz Endmin. Nach zehn Jahren Abwesenheit kehrt diese Figur mit Gedächtnislücken zurück und soll auf Talos-II dabei helfen, wieder Ordnung und Sicherheit aufzubauen. Der Planet steckt in einer brüchigen Cyberpunk-Welt, in der Plünderer, zoomorphe Kreaturen und andere Gegnergruppen warten.
Die Prämisse hat Zug. Endfield wirft politische Spannungen, persönliche Fragen und den Wiederaufbau einer Gesellschaft zusammen. Gerade die Rolle der Organisation rund um den Endmin liefert genug Stoff für eine stärkere Geschichte.
Das Problem ist der Weg dorthin. Der Anfang ist sehr dialoglastig und stoppt den Spielfluss oft. Später lockert sich das, komplett verschwinden die Tempo-Probleme aber nicht. Gute Missionen stehen neben Füllaufgaben, die eher wie Botengänge wirken. Dadurch nutzt Endfield seine besten Ideen nicht immer sauber aus.
Kämpfe: Schnell, hübsch, aber nicht besonders tief
Im Einsatz bist du mit einem Team aus bis zu vier Operatoren unterwegs. Du sammelst Ressourcen, löst einfache Plattformrätsel und räumst Zonen frei. In Kämpfen wechselst du zwischen den Teammitgliedern, nutzt leichte Angriffe, Ausweichmanöver und Spezialangriffe.
Das Kampfsystem ist leicht zu greifen und sieht stark aus. Treffer haben klare Effekte, Kombos laufen flüssig, und die Figuren wirken nicht nur optisch unterschiedlich. Perlica, Chen Qianyu und andere Operatoren bringen eigene Bewegungen und kleine Eigenheiten mit.
Auf Dauer zeigt sich aber die Grenze des Systems. Viele Begegnungen laufen gegen ähnliche Gegnergruppen ab. Die Rätsel bestehen oft aus einfachen Schaltern oder Stromaufgaben. Endfield ist damit kein Spiel, das ständig neue Kampflösungen fordert. Es lebt mehr vom Rhythmus, vom Sammeln und vom stetigen Ausbau.
Basisbau als bester Kniff
Der interessanteste Teil ist der Aufbau der Infrastruktur. Du platzierst Strommasten, verbindest Relaisstationen, baust Bergbau auf und nutzt Maschinen, um Rohstoffe weiterzuverarbeiten. Die fertigen Ressourcen fließen wieder in Fortschritt, Ausrüstung und weitere Systeme.
Wichtig ist: Endfield überfordert dabei nicht. Wer bei klassischen Automatisierungsspielen schnell an Effizienzketten und Layouts verzweifelt, bekommt hier eine freundlichere Variante. NPC-Erklärungen helfen, vorgefertigte Designs können importiert werden, und der Aufbau bleibt eng mit der offenen Welt verbunden.
Das macht den Basisbau nicht maximal komplex, aber sinnvoll. Er ist mehr als Dekoration. Wer früh investiert, kann Ressourcen besser sichern und den Druck durch Shop und Währungen zumindest etwas abfedern.
Gacha bleibt Gacha
Endfield nutzt die bekannten Mechaniken des Genres. Es gibt zufällige Ziehungen für Charaktere und Waffen, mehrere Währungen, tägliche Herausforderungen und einen kostenpflichtigen Battle Pass. Ressourcen lassen sich auch erspielen, doch der Aufwand steigt spürbar.
Genau hier wird das Spiel unbequem. Der Anreiz, mit Geld Abkürzungen zu nehmen, ist klar vorhanden. Wer nicht zahlen will, muss mehr Zeit in Karte, Aufgaben und Wiederholungen stecken. Das ist nicht überraschend für ein Gacha-Spiel, aber es prägt die Erfahrung stark.
Positiv ist das System für doppelte Charaktere. Ziehst du dieselbe Figur erneut, bekommst du Token, mit denen sich ihr Potenzial verbessern lässt. Das erhöht Kampfwerte und bringt zusätzliche Kunstkarten. Es nimmt dem Pech beim Ziehen etwas Schärfe, ersetzt aber keine faire Balance bei den Ressourcen.
Figuren und Welt tragen viel
Beim Charakterdesign spielt Endfield seine Stärken klar aus. Hypergryph gibt vielen Figuren ein eigenes Profil. Snowshine fällt mit Bärenschuhen und riesigem Schwert sofort auf. Arclight wirkt wie eine schnelle Cyberpunk-Figur voller Energie und Bewegung. Auch Gegenspieler wie Nefarith bleiben hängen.
Die Welt hilft ebenfalls. Industriegebiete, Maschinenflächen und spätere Orte wie das bambusbewachsene Wuling sorgen dafür, dass der Look nicht nur aus grauem Metall besteht. Wenn vormals bedrückende Areale durch Maschinen und Aufbau lebendiger werden, passt das gut zum Kern des Spiels.
Auch die Sprachausgabe und einzelne humorvolle Texte geben der Geschichte mehr Farbe. Das ist wichtig, weil die Handlung sonst oft zu viel Fachsprache und zu viele Stopps mitbringt.
Wertung
- Gameplay: 4 von 5, starke Mischung aus Action und Basisbau, aber mit Wiederholungen.
- Grafik: 4 von 5, prägnante Cyberpunk-Welt und sehr gutes Charakterdesign.
- Story: 3 von 5, interessante Ansätze, gebremst durch Tempo-Probleme und Füllmissionen.
- Sound: 4 von 5, lebendige Sprachaufnahmen geben Figuren mehr Persönlichkeit.
Für wen lohnt sich Arknights: Endfield?
Arknights: Endfield lohnt sich vor allem, wenn du Gacha-Systeme kennst und akzeptierst, aber mehr als nur Kämpfe und Ziehungen willst. Der einfache Automatisierungsanteil gibt dem Spiel einen eigenen Reiz. Er motiviert, weiter Ressourcen zu suchen, Zonen freizuschalten und an der Basis zu schrauben.
Wenn dich viele Währungen, tägliche Routinen und sichtbarer Zahlungsdruck nerven, solltest du vorsichtig sein. Endfield ist kein Ausbruch aus den Genre-Regeln. Es ist eher ein gutes Gacha-Spiel mit einer cleveren Zusatzidee.
Der beste Teil liegt zwischen Kämpfen, Sammeln und Maschinenbau. Der schwächste liegt dort, wo das Spiel Zeit streckt. Wer damit leben kann, bekommt ein stilvolles Sci-Fi-RPG, das für lange Sessions gemacht ist, aber nicht jede davon gleich gut füllt.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
