In Video Store Chaos räume ich Filme und Spiele an ihren vorgesehenen Platz. Das klingt zunächst nach einer ziemlich nüchternen Beschäftigung. Trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, noch eine Hülle aufzuheben. Ich möchte wissen, welcher witzige Titel als Nächstes auftaucht. Also schaue ich mir das Cover an, suche den passenden Platz und mache doch noch ein bisschen weiter.
Auch die Grafik gefällt mir. Der Laden hat einen eigenen Charme, und die vielen Film- und Spieleparodien geben mir einen guten Grund, mich genauer umzusehen. Bis daraus ein angenehmer Spielfluss wurde, musste ich allerdings einige Einstiegshürden überwinden. Gerade bei der Zuordnung hätte ich mir mehr Hilfe gewünscht. Ich will schließlich Ordnung schaffen und nicht ständig überlegen, welche Erklärung mir gerade fehlt.
Mein bisheriger Eindruck ist trotzdem positiv. Video Store Chaos schafft es, mich mit einer einfachen Aufgabe bei der Stange zu halten. Wie lange dieser Reiz trägt, hängt allerdings auch davon ab, wie gut der Humor ankommt. Die deutlich erkennbare KI-Ästhetik und die wiederkehrenden Motive dürften dabei eine große Rolle spielen.
Der nächste Titel ist mein bester Antrieb
Die Film- und Spieltitel sind für mich die stärkste Motivation. Hinter jeder neuen Hülle könnte die nächste gelungene Anspielung stecken. Dadurch bekommt selbst das wiederholte Aufheben und Einsortieren einen kleinen Spannungsmoment. Ich möchte mir die Fundstücke ansehen, bevor sie im Regal verschwinden.
Im Hauptladen stehen die Filme auf der unteren Etage, die Spiele eine Etage darüber. Die Wege führen entsprechend häufig über die Treppe. Eine Sprung- oder Flugmöglichkeit gibt es nicht. Was zunächst nach einer überschaubaren Auswahl aussieht, entpuppt sich außerdem als ziemlich umfangreicher Bestand, verteilt auf verschiedene Genreregale.
Innerhalb der passenden Regale lassen sich die Hüllen frei anordnen. Das bietet Freiraum für die eigene Vorstellung von Ordnung. Allerdings gibt es von den einzelnen Titeln unterschiedlich viele Exemplare. Wer gleiche Titel nebeneinanderstellen möchte, muss deshalb Platz einplanen oder später erneut umräumen. Eine sorgfältig angelegte Reihe ist schnell wieder zu kurz, wenn weitere Kopien auftauchen.
Schwieriger als die Aufteilung im Regal ist für mich stellenweise die Frage, welches Genre überhaupt passt. Ein lustiger Titel liefert darauf noch keine eindeutige Antwort. Auch die Texte auf der Vorder- und Rückseite helfen nicht immer so klar, wie ich es mir wünschen würde. Manchmal bleibt Interpretationsspielraum, obwohl ich die Hülle bereits gründlich gelesen habe.
Hier dürfte das Tutorial ausführlicher werden. Es müsste deutlicher erklären, woran ich die richtige Zuordnung erkenne und wie ich die Hinweise sinnvoll einordne. Das Lesen und Entschlüsseln der Cover gehört zur Aufgabe. Trotzdem möchte ich nachvollziehen können, warum ein Film oder Spiel in ein bestimmtes Regal gehört.
Deutsch eingestellt, englische Cover in der Hand
Dazu kommt eine sprachliche Hürde. Video Store Chaos bietet eine deutsche Sprachoption, die Cover bleiben allerdings auf Englisch. Ausgerechnet die Texte, die bei der Zuordnung helfen sollen, stehen damit weiterhin in einer anderen Sprache zur Verfügung.
Wer sich im Englischen unsicher fühlt, muss neben der Sortieraufgabe also auch noch Übersetzungsarbeit leisten. Ich wünsche mir deshalb, dass die Cover ebenfalls in der ausgewählten Sprache verfügbar wären. Eine deutsche Menüführung hilft nur begrenzt, wenn die entscheidenden Informationen auf den Hüllen englisch bleiben.
Unter manchen Lichtverhältnissen fällt es mir außerdem schwer, die Beschriftungen überhaupt zu erkennen. Wenn eine Zuordnung ohnehin unklar ist, machen schlecht lesbare englische Texte die Sache zusätzlich mühsam. Solche Momente bremsen mich aus, obwohl ich längst Lust auf den nächsten Titel hätte.
Geschafft! Ach so, da ist noch ein Keller
Als der Hauptladen endlich aufgeräumt war, habe ich mich erst einmal gefreut. Geschafft! Dann ging es im Keller weiter. Im ersten Moment war das ernüchternd, weil ich gerade das schöne Gefühl hatte, eine größere Aufgabe abgeschlossen zu haben.
Der Keller erweitert den Laden um eine große Sammlung alter VHS-Kassetten und spielbare Arcade-Automaten. Auch reichlich Kakerlaken gehören zum Inventar. Eine völlig unerwartete Entdeckung ist der Bereich allerdings kaum, denn ein großes Poster im Hauptladen kündigt ihn bereits an.
Für mich bringt der Keller vor allem eine wichtige Erleichterung: Der PC dort ist eine große Hilfe bei der Zuordnung. Genau diese Unterstützung hätte ich schon im Hauptladen gut gebrauchen können. Sie kommt für meinen Geschmack spät, nachdem ich mich zuvor bei einigen Hüllen ziemlich orientierungslos gefühlt habe.
Gute Hilfen müssen im richtigen Moment funktionieren
Grundsätzlich passen Upgrades gut zu dieser Art von Spiel. Mit wachsendem Bestand steigt auch der Wunsch, weniger einzeln hin und her zu tragen. Die vorhandenen Verbesserungen setzen an drei Stellen an: Eine erhöht die Tragekapazität auf maximal sechs Gegenstände, eine markiert das passende Ziel für die gehaltene Hülle, und eine weitere zieht zusätzliche Exemplare desselben Titels zur Hand.
Der Nutzen einer höheren Tragekapazität liegt auf der Hand. Bei den beiden anderen Fähigkeiten kommt es stärker darauf an, wie zuverlässig sie im Alltag helfen. Eine Zielmarkierung bringt wenig, wenn sie nur kurz sichtbar ist und zwischen Regalen oder unter ungünstiger Beleuchtung untergeht. Gerade bei einer unklaren Zuordnung müsste sie schnell und eindeutig Orientierung geben.
Ähnliches gilt für das Einsammeln weiterer Exemplare. Wenn dafür weiterhin Wege durch den Laden und über die Treppe nötig sind, begrenzt die kurze Wirkungsdauer den praktischen Nutzen. Ist die Zeit schon nach wenigen eingesammelten Hüllen vorbei, bleibt viel von der erhofften Erleichterung aus.
Ich wünsche mir deshalb zusätzliche Möglichkeiten, die unmittelbar beim Aufräumen helfen. Kartons, mit denen ich mehrere Fundstücke auf einmal einsammeln und transportieren kann, wären beispielsweise praktisch. Die Grundidee gefällt mir bereits. Weniger unnötige Handgriffe zwischen einer Hülle und ihrem Platz würden sie für mich noch angenehmer machen.
Die Titelmusik mag ich, den Fernseher deutlich weniger
Die Retro-Titelmusik gefällt mir sehr gut. Beim eigentlichen Spielen hätte ich gern eine ähnlich angenehme und etwas präsentere musikalische Begleitung. Die sehr dezente Hintergrundmusik bleibt dagegen eher unauffällig und hat stellenweise etwas von Fahrstuhlmusik.
Deutlich mehr Aufmerksamkeit verlangt der Fernseher im Hauptladen. Sobald ich mich ihm nähere, beginnt derselbe Inhalt wieder von vorn. Dazu ist er mir zu laut. Durch diese Kombination gehen mir die Wiederholungen schnell auf die Nerven, während ich eigentlich nur weiter sortieren möchte.
Die satirischen Werbespots passen zwar zur Gestaltung des Ladens, einschließlich ihrer deutlich erkennbaren KI-Machart. Das macht sie bei häufiger Wiederholung aber nicht automatisch unterhaltsamer. Immerhin lässt sich der Fernseher ausschalten.
Die übrigen Soundeffekte passen gut zur Aufgabe und bleiben angenehm zurückhaltend. Umso schöner wäre eine musikalische Begleitung, die den entspannten Teil des Aufräumens stärker unterstützt. Die Titelmusik zeigt bereits, welche Stimmung mir dabei gefallen würde.
Viel KI, viel Satire und einige wiederkehrende Ideen
Der umfangreiche KI-Einsatz prägt die Präsentation von Video Store Chaos deutlich. Die Optik wirkt an vielen Stellen schön, glänzend und detailreich, gleichzeitig bleibt die typische KI-Ästhetik gut erkennbar. Wer diesen Stil nicht mag, wird ihm hier häufig begegnen.
Dazu gehört auch der einleitende Videoanruf mit dem Chef. Die Figur ist bewusst unangenehm und peinlich angelegt. Zusammen mit der Werbung und den überzeichneten Covern entsteht ein stimmiges satirisches Bild der Videothek. Wie unterhaltsam das ist, hängt allerdings stark davon ab, ob dieser Humor den eigenen Geschmack trifft.
Auf Dauer können sich außerdem einzelne Ideen abnutzen. Geschäftsleute, Buchhalter, Belege und Verbraucherschutz tauchen auf den Hüllen immer wieder auf, teilweise über verschiedene Genres hinweg. Der nächste Buchhalter, der zu tief in die Bücher geschaut hat und nun um sein Leben fürchten muss, überrascht irgendwann weniger als der erste.
Die Spieleparodien haben dagegen einen besonders naheliegenden Reiz, wenn man ihre Vorbilder kennt. Dann reicht manchmal schon ein Titel oder ein Blick auf das Cover, um die Anspielung zu verstehen. Genau solche Entdeckungen halten meine Neugier wach.
Positiv fällt auch die vielfältige Darstellung von Menschen auf den Covern auf. Sie gehört sichtbar zur Gestaltung des Spiels und gibt den zahlreichen erfundenen Produktionen unterschiedliche Gesichter. Für die langfristige Unterhaltung braucht es daneben aber genügend Abwechslung bei den Geschichten und Pointen. Die Menge an Hüllen allein verhindert noch nicht, dass sich Motive wiederholen.
Ich will trotzdem wissen, was als Nächstes kommt
Trotz der Kritik möchte ich weiterspielen. Nach dem holprigen Einstieg läuft das Sortieren für mich gut. Die witzigen Titel machen mich weiterhin neugierig, und die Grafik trägt dazu bei, dass ich gern im Laden bleibe. Ich habe tatsächlich Lust, noch eine Hülle aufzuheben und ihren Platz zu finden.
Das größte Verbesserungspotenzial sehe ich bei den Erklärungen, der Lesbarkeit und den praktischen Hilfen. Ein ausführlicheres Tutorial, übersetzte Cover und besser erkennbare Hinweise würden einige der Hürden beseitigen, die mir beim Einstieg im Weg standen. Auch Unterstützung wie der PC im Keller dürfte früher verfügbar sein.
Video Store Chaos hat für mich Potenzial, weil der Anreiz für die nächste Sortierrunde bereits funktioniert. Ich möchte meine Aufmerksamkeit den Titeln und dem Aufräumen widmen können. Wenn das Spiel mir dabei klarer unter die Arme greift, bleibe ich gern noch ein bisschen länger in dieser chaotischen Videothek.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.