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Code Vein II: Preview zum riskanten Neustart

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Code Vein II wirkt nicht wie eine Fortsetzung, die nur mehr vom Gleichen liefern will. Bandai Namco verschiebt den Schwerpunkt klar weg vom klassischen Soulslike-Gefühl und näher an ein Action-RPG mit vielen Systemen, großen Effekten und einem starken Partner-Fokus.

Das ist ein mutiger Schritt. Der erste Teil aus dem Jahr 2019 war mit mehr als vier Millionen Verkäufen erfolgreich, stand aber spielerisch zwischen mehreren Ideen. Teil zwei scheint genau daraus eine Konsequenz zu ziehen: weniger starre Genre-Erwartung, mehr eigene Identität.

Der wichtigste Wechsel: weniger Soulslike, mehr Action-RPG

Code Vein II bleibt düster, überzeichnet und klar im Anime-Stil. Trotzdem verändert sich die Struktur spürbar. Statt vor allem auf große, verschachtelte Dungeon-Gebiete zu setzen, arbeitet die Fortsetzung mit offeneren Zonen, die durch ein beschwörbares Motorrad verbunden werden sollen.

Ganz eindeutig ist dieser Wandel noch nicht zu greifen. Der bisher gezeigte Vorschau-Build enthielt zwar Hinweise auf weiter angelegte Bereiche, zeigte aber auch Abschnitte, die wieder stärker wie geschlossene Dungeons wirkten. Für mich ist genau das der Punkt, den Fans im Auge behalten sollten: Code Vein II verspricht mehr Offenheit, muss aber noch zeigen, wie frei sich diese Welt am Ende wirklich anfühlt.

Zeitreise als Kern der Handlung

Die Geschichte spielt erneut in einer Zukunft nach einer Apokalypse. Neu ist die Aufteilung in zwei Zeitebenen: die Gegenwart und eine Vergangenheit vor 100 Jahren. Als Revenant Hunter werdet ihr von Lou MagMell wiederbelebt und reist zurück, um Josée Anjou zu finden.

Dabei geht es um Vertrauen, Bindung und die Frage, wie sich Entscheidungen über die Zeit auswirken können. Das Spiel nennt als zentrale Bedrohung die Resurgence. Wie stark die Handlungen in der Vergangenheit die Gegenwart verändern, ist noch offen. Das Konzept gibt der Reihe aber einen klareren erzählerischen Haken als zuvor.

Der Ton bleibt eigenwillig. Vampire, Revenants, versiegelte Heldinnen, groteske Körperbilder und viel Anime-Dramatik treffen auf eine Welt, die bewusst überzeichnet wirkt. Wer mit dieser Art Erzählung nichts anfangen kann, wird auch hier nicht plötzlich bekehrt.

Das Kampfsystem trägt die Preview am stärksten

Der größte praktische Reiz liegt bisher im Kampf. Code Vein II bietet sieben Waffentypen: Einhandschwerter, Großschwerter, Twin Blades, Bajonette, Hämmer, Hellebarden und das neue Rune Blade. Dazu kommen Formae, also übernatürliche Fähigkeiten, die Angriffe verändern können.

Ein normaler Schlag kann dadurch zu einem Energieschlag werden. Ein Stoß kann in einen schnellen Vorstoß übergehen. Das klingt nach viel Menüarbeit, und genau das scheint auch Teil des Spiels zu sein. Code Vein II wirft viele Werte, Systeme und Anpassungen auf den Tisch. Wer gerne an Builds schraubt, bekommt Futter. Wer schnelle Klarheit will, könnte anfangs kämpfen.

Interessant ist das neue LP-System. Neben Lebenspunkten und Ausdauer gibt es Link Points. Sie stehen für die Verbindung zum Partner und dienen als Schutzschicht. Schaden trifft zuerst diese LP, bevor die HP sinken. Heilung bedeutet damit nicht nur Rettung in letzter Sekunde, sondern auch Wiederaufbau dieses Schutzes.

Der Partner ist mehr als ein Anhängsel

Das Partnersystem wirkt deutlich wichtiger als im ersten Moment zu erwarten wäre. Es gibt zwei Modi: Im Summoning kämpft die Partnerfigur körperlich an eurer Seite. In der Assimilation verschmilzt sie mit euch und stärkt eure Werte.

Auch die Rettungsmechanik Restorative Offering hat einen Haken. Sie kann euch vor dem Tod bewahren, wird nach wiederholter Nutzung aber schwächer und braucht länger, bis sie erneut bereitsteht. Außerdem fällt die Partnerfigur kurz aus und kann keine Gegner binden. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Code Vein II Sicherheit bietet, sie aber nicht kostenlos macht.

Bosskämpfe könnten die Stärke des Spiels werden

Besonders spannend klingt der Kampf gegen den Metagen Remnant im Sunken Pylon Dungeon. Dieser Gegner ist kein einfaches großes Monster, sondern ein Organismus, der die Resurgence überlebt hat und Korruption verbreitet.

Der Kampf verlangt Geduld, Ausweichen, Blocken und sauberes Timing beim Einsatz von Fähigkeiten. Reines Knopfdrücken soll hier nicht reichen. Genau an solchen Stellen kann Code Vein II zeigen, dass der Wechsel zum Action-RPG nicht automatisch weniger Anspruch bedeutet. Der Anspruch sitzt nur stärker in der Taktik des eigenen Builds und im Zusammenspiel mit der Partnerfigur.

Stil vor Technik

Technisch wird Code Vein II nach aktuellem Eindruck nicht als reines Grafikbrett auftreten. Der Stil trägt dafür viel. Die Mischung aus Science-Fiction, Gothic-Elementen und grotesken Gegnern passt zur Reihe und scheint in Teil zwei noch stärker ausgespielt zu werden.

Lou MagMell steht gut für diese Richtung. Ihr geöffneter Brustkorb mit sichtbarem, geteiltem Herz ist gleichzeitig symbolisch und unangenehm. Das ist kein gemütliches Vampir-Abenteuer, sondern ein Spiel mit Körperhorror, Drama und bewusst extremem Design.

Für wen Code Vein II spannend wird

Wer am ersten Code Vein vor allem die Soulslike-Nähe mochte, sollte vorsichtig bleiben. Teil zwei scheint diese Schiene nicht mehr so klar bedienen zu wollen. Wer dagegen ein düsteres Anime-Action-RPG mit vielen Systemen, Partner-Taktik und starkem Build-Fokus sucht, sollte Code Vein II auf dem Zettel haben.

Der geplante Release ist der 30. Januar 2026 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und Steam. Bis dahin bleibt die zentrale Frage: Wird der neue Aufbau die alte Community mitnehmen, oder gewinnt Code Vein II vor allem Spieler, die mit dem ersten Teil nur halb warm wurden?

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.