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007: First Light angespielt: Bond lernt sichtbar von Hitman

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

007: First Light wirkt nicht wie ein normales Lizenzspiel, das nur den Namen James Bond auf die Packung klebt. Der erste längere Eindruck zeigt ein Spiel, das stark auf Action, große Szenen und Bond-Stimmung setzt, aber gleichzeitig klar erkennen lässt, woher das Entwicklerteam kommt.

Die Nähe zu Hitman ist kein kleiner Randpunkt. Sie steckt in der Engine, in den offenen Lösungswegen, in den Umgebungen und im Plan, Missionen nach der Kampagne mit neuen Vorgaben erneut spielbar zu machen. Der Unterschied: Bond darf lauter sein, direkter handeln und öfter in filmische Sequenzen rutschen.

Mehr Action, aber nicht nur Ballern

First Light ist ein Third-Person-Action-Adventure mit deutlichem Schwerpunkt auf Bewegung, Deckung und schnellen Entscheidungen. Munition für Bonds Pistole ist knapp, trotzdem kann das Spiel offensiv gespielt werden. Wird James entdeckt, zählen Deckung, präzise Schüsse und der kluge Einsatz der Umgebung.

Gegnergruppen sollen nicht nur aus einfachen Zielscheiben bestehen. Gepanzerte Feinde, Patrouillen und Nahkämpfer verändern den Druck im Gefecht. Bond kann Gadgets einsetzen, Gegner blenden, Elektrik hacken oder klassische Gefahrenquellen wie Feuerlöscher nutzen.

Das passt gut zur Figur. Bond ist kein stiller Auftragskiller. Er darf improvisieren, zuschlagen und im Zweifel eine Situation mit Gewalt lösen. Genau dadurch grenzt sich First Light von Hitman ab, auch wenn die Verwandtschaft jederzeit zu sehen ist.

Schleichen bleibt möglich

Wer nicht schießen will, bekommt ebenfalls Werkzeuge an die Hand. Sichtlinien, Ablenkungen, Verstecke und Kletterpassagen erlauben es, viele Standardkämpfe zu umgehen. Das passive Vorgehen wirkt aber anspruchsvoller als der direkte Weg.

In einem besonders stark bewachten Abschnitt gab es offenbar nur wenige Möglichkeiten, ohne offene Konfrontation weiterzukommen. Das klingt nach einem Spiel, das Stealth belohnt, aber nicht immer zur bequemsten Lösung macht.

Für mich ist das ein wichtiger Punkt. Wenn First Light später wirklich zum erneuten Durchspielen motivieren will, muss der leise Weg mehr sein als eine nette Zusatzoption. Die bisherigen Eindrücke deuten an, dass hier Potenzial liegt.

Gadgets mit Energie-Haken

Bonds Spezialfähigkeiten hängen an einer Energie-Ressource. Hacken, Blenden und Ablenken verbrauchen Ladung. Neue Energie kann James aus elektrischen Geräten ziehen.

Das System verhindert, dass jede Situation einfach mit Gadgets gelöst wird. Gleichzeitig klingt das Nachladen noch nicht nach einer echten Herausforderung. Die Möglichkeiten zum Aufladen waren in der Anspielrunde großzügig verteilt, das Einsammeln wirkte mit der Zeit eher etwas mühsam.

Das ist einer der Punkte, bei denen Balancing viel entscheidet. Ein gutes Gadget-System braucht Druck. Wenn Energie fast immer verfügbar ist, wird es schnell Routine. Wenn sie zu knapp ist, verliert Bond seinen Spielzeugkasten. Hier muss die finale Fassung den richtigen Takt finden.

Glacier bringt viele Menschen und große Effekte

First Light nutzt die Glacier-Engine. Sie ist aus Hitman: World of Assassination bekannt und zeigt auch hier ihre Stärken: viele NPCs, klare realistische Schauplätze und große dynamische Ereignisse.

In den gezeigten Szenen verändern sich Umgebungen sichtbar. Felsbrocken lösen sich an Berghängen, LED-Wände gehen spektakulär kaputt, und Bond durchbricht mit einem Müllwagen sogar Hauswände. Solche Momente geben dem Spiel den nötigen Kino-Druck.

Optisch wirkt First Light nur etwas moderner als das seit Jahren laufende Hitman-Paket. Genannt wurden DLSS 4.5, Pathtracing und Frame-Generation. Gleichzeitig zeigen vor allem NPC-Gesichter, dass die technische Basis nicht mehr ganz frisch wirkt. Für Bond kann der saubere, scharfe Look trotzdem sehr gut passen.

Controller für Kino, Maus für Effizienz

Die Kampagne scheint primär auf Gamepad ausgelegt zu sein. Mit dem Analogstick lassen sich Kamera und Bewegung ruhiger führen, was besonders in Story-Momenten und großen Bond-Posen hilft.

Maus und Tastatur funktionieren ebenfalls gut. Sie bieten Vorteile beim schnellen Waffen- und Gadget-Wechsel sowie beim genauen Zielen. Gerade in Schusswechseln dürfte die PC-Steuerung für viele Spieler die effektivere Wahl sein.

Interessant ist dabei der Unterschied im Spielgefühl. Mit Controller wirkt Bond stärker wie eine Figur aus einem Film. Mit Maus und Tastatur wird er schneller zum präzisen Problemlöser. Beides kann funktionieren, je nachdem, wie du spielen willst.

Lineare Kampagne, danach einzelne Missionen

Die Kampagne folgt einem linearen Ablauf. Zu den gezeigten Stationen gehören Island, ein Tutorial während Bonds Ausbildung, sein Apartment in London und eine geheime Mission auf einer Gala.

Die Abfolge setzt auf Abwechslung: Schleichen, Schießen, ein Bosskampf mit besonderem Kniff und eine Verfolgungsjagd. Das klingt nach klassischer Bond-Unterhaltung, nur eben als spielbare Version.

Nach der Kampagne sollen einzelne Missionen erneut anwählbar und veränderbar sein. Alternative Ziele, Einschränkungen beim Equipment, besondere Vorgaben, Bestenlisten und Highscores sollen für Langzeitmotivation sorgen. Genau hier rückt First Light wieder sehr nah an Hitman heran.

Warum das für Bond funktionieren kann

Die spannendste Frage ist nicht, ob man Hitman in First Light erkennt. Das tut man. Entscheidend ist, ob die Bond-Lizenz dem bekannten Fundament genug eigene Energie gibt.

Der bisherige Eindruck spricht dafür. Mehr Action, stärkerer Fokus auf Emotionen, Fahrzeuge, lineare Story-Sequenzen und ein junger James Bond verändern den Ton deutlich. Gleichzeitig profitieren die Missionen von einem Studio, das schon lange mit offenen Räumen, Zielwegen und wiederholbarem Missionsdesign arbeitet.

Für Spieler, denen Hitman zu kühl oder zu langsam war, könnte First Light der bessere Einstieg in diese Art von Systemspiel werden. Wer Hitman liebt, sollte aber nicht erwarten, dass Bond einfach Agent 47 mit anderem Anzug ist. First Light will mehr Spektakel und nimmt dafür bewusst eine geradlinigere Kampagne in Kauf.

Mein Eindruck

007: First Light steht nach den bisherigen vier Stunden erstaunlich klar da. Es wirkt wie ein Bond-Spiel mit eigener Haltung, nicht wie ein loses Lizenzexperiment. Die Hitman-Nähe ist groß, aber sie muss kein Problem sein. Im besten Fall ist sie das stabile Gerüst, auf dem Bond mehr Tempo, Druck und Filmgefühl bekommt.

Offen bleiben vor allem zwei Punkte: Wie stark trägt das Gadget-System über die ganze Kampagne, und wie interessant bleiben die Missionen nach dem ersten Durchlauf? Wenn beides sitzt, könnte First Light nicht nur ein gutes Bond-Spiel werden, sondern auch eine sinnvolle Weiterentwicklung der bekannten IOI-Stärken.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.