Zurück zu den News
Preview

Virtual Boy auf Switch 2: Nintendos roter Sonderfall kehrt zurück

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Der Virtual Boy war lange Nintendos roter Fleck in der Firmengeschichte. Jetzt kommt das gescheiterte 3D-System über Virtual Boy: Nintendo Classics auf Switch und Switch 2 zurück.

Das ist keine normale Retro-Erweiterung. Wer die Spiele erleben will, braucht ein Abo für Nintendo Switch Online + Expansion Pack und zusätzlich ein eigenes Zubehör. Genau diese Mischung macht die Rückkehr spannend, aber auch ziemlich schwer zu empfehlen.

Ein Stück Nintendo-Geschichte, das lange fehlte

Der Virtual Boy gilt bis heute als einer der größten kommerziellen Fehlschläge von Nintendo. Weltweit wurden rund 750.000 Geräte verkauft. Die Bibliothek blieb winzig: Insgesamt gab es nur 22 Spiele, teils nur in Japan. Bekannt wurde das System vor allem durch seine roten und schwarzen 3D-Grafiken und den Ruf, Augen und Kopf schnell zu belasten.

Umso auffälliger ist, dass Nintendo dieses Kapitel nun wieder öffnet. Über Virtual Boy: Nintendo Classics sollen alte Spiele des Systems auf Switch und Switch 2 spielbar werden. Zum Start am 17. Februar sind sieben Titel geplant. Genannt wurden unter anderem Wario Land, Golf und Teleroboxer.

Für mich ist das weniger ein großer Spiele-Nachschub als ein Archivmoment. Nintendo macht einen Teil seiner Geschichte zugänglich, der bisher für viele nur aus Bildern, Anekdoten und teuren Gebrauchtangeboten bestand.

Der Zugang ist bewusst umständlich

Ganz einfach macht Nintendo es nicht. Virtual Boy: Nintendo Classics ist Teil von Nintendo Switch Online + Expansion Pack. Die Einzelmitgliedschaft kostet in Deutschland 40 Euro pro Jahr. Dazu kommt zwingend ein Zubehör, das Nintendo über die eigene Website verkauft.

  • Eine Replik des ursprünglichen Virtual-Boy-Gehäuses kostet 80 Euro.
  • Eine Pappvariante kostet 20 Euro und erinnert an die Idee von Labo VR.
  • Switch oder Switch 2 werden in das jeweilige Gehäuse eingesetzt.
  • Laut Kleingedrucktem des Trailers lassen sich die Spiele nicht normal im Handheld-Modus oder am Fernseher spielen.

Das ist die zentrale Hürde. Nintendo will offenbar das ursprüngliche Gefühl erhalten, nicht nur die ROMs in ein Menü legen. Das passt zum Projekt. Es macht die Sache aber auch teuer und sperrig.

Wario Land dürfte der wichtigste Starttitel sein

Unter den Startspielen sticht Wario Land heraus. Der Titel hat unter Sammlern und Retro-Spielern seit Jahren einen guten Ruf. Das passt zu den bisherigen Eindrücken: Es spielt sich im Kern wie ein klassisches Wario-Land-Abenteuer, nutzt aber die 3D-Tiefe des Virtual Boy für Hindernisse und Ebenen im Vorder- und Hintergrund.

Das ist interessant, weil viele spätere Plattformspiele ähnliche Ideen nutzten. Der Virtual Boy war technisch begrenzt, aber nicht ohne spielerische Ansätze. Genau solche Details machen die Rückkehr wertvoll. Man sieht nicht nur ein Kuriosum, sondern auch frühe Experimente, die Nintendo später an anderer Stelle wieder aufgegriffen hat.

Teleroboxer ist als Punch-Out!!-ähnlicher Titel ebenfalls spannend, zumindest aus historischer Sicht. Golf klingt dagegen eher nach einem typischen Systemfüller. Bei nur sieben Startspielen wird schnell klar: Diese Sammlung lebt nicht von Masse.

Komfort bleibt die große Frage

Die Replik orientiert sich sichtbar am alten Gerät. Sie steht auf einem zweibeinigen Ständer und bietet einen Drehknopf zur Einstellung des Blickwinkels. Das ist charmant, aber auch ein Hinweis darauf, warum der Virtual Boy nie massentauglich war.

Man spielt nicht locker auf dem Sofa und auch nicht am Fernseher. Man beugt sich in ein Gehäuse, schaut durch rote Linsen und nimmt eine eher feste Haltung ein. Erste Anspiel-Eindrücke berichten zwar nicht automatisch von Kopfschmerzen, aber von schwer erkennbaren Bildschirmrändern und einem nicht besonders bequemen Blickwinkel.

Das klingt authentisch. Es klingt aber nicht nach etwas, das viele am Stück spielen werden.

Für wen lohnt sich das?

Die nüchterne Antwort: Für normale Nintendo-Fans eher nicht. 20 Euro für die Pappvariante sind noch vertretbar, wenn man neugierig ist. 80 Euro für die Replik sind eine klare Sammlerentscheidung. Dazu kommt das Abo für das Expansion Pack.

Wer einfach gute Retrospiele spielen will, findet auf Switch bereits viele praktischere Wege. Wer aber Nintendos seltsame Nebenwege liebt, bekommt hier etwas Besonderes. Der Virtual Boy war nie bequem, nie erfolgreich und nie breit akzeptiert. Genau deshalb ist seine Rückkehr so ungewöhnlich.

Nach dem Start sollen weitere Spiele folgen. Besonders interessant ist Zero Racers, ein bisher unveröffentlichtes F-Zero-Spin-off. Allein dieser Punkt dürfte bei einigen Retro-Fans reichen, um die Sache im Blick zu behalten.

Ein Nischenprodukt mit Absicht

Ich sehe Virtual Boy: Nintendo Classics nicht als großen Dienst für alle Switch-Spieler. Es ist ein Nischenprodukt für Leute, die Nintendos Vergangenheit nicht nur in ihren Erfolgen sehen wollen.

Der Preis, das Zubehör und die kleine Startauswahl sprechen gegen einen spontanen Kauf. Der historische Wert spricht dafür, wenn du genau auf solche Kuriositäten stehst. Nintendo bringt hier kein vergessenes Meisterwerk zurück, sondern ein altes Experiment. Und gerade das macht diese Preview spannender als viele sichere Retro-Neuauflagen.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.