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Preview

Sea of Remnants Vorschau: Schönes Cozy-Abenteuer mit Gacha-Frage

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Sea of Remnants hat auf den ersten Blick sehr viel von dem, was ein gemütliches Online-RPG tragen kann: eine verspielte Piratenwelt, starke Bilder, Musik mit Gewicht und viele kleine Dinge, die zum Stehenbleiben einladen.

Der große offene Punkt ist nicht, ob die Idee Charme hat. Den hat sie. Die Frage ist, wie fair sich das Free2Play-Modell am Ende anfühlt, wenn Gacha-Charaktere, tägliche Aufgaben, viele Ressourcen und Fortschrittsgrenzen zusammenkommen.

Eine Welt, in der man gerne trödelt

Sea of Remnants wird als Free2Play-Rollenspiel von Netease beschrieben und setzt klar auf ein Cozy-Gefühl. Das passt zu den bisherigen Eindrücken: Statt nur Questmarkern hinterherzulaufen, scheint das Spiel viele kleine Momente in die Welt zu legen.

Ein Beispiel zeigt gut, was damit gemeint ist. Wer sich im Spiel auf eine Bank setzt, bekommt nicht einfach nur eine Sitzanimation. Die Kamera verändert sich, und nach kurzer Zeit startet ein eigener Song. Solche kleinen Reaktionen sollen nicht die Ausnahme sein. Allein mit den Katzen im Spiel soll es über hundert mögliche Interaktionen geben.

Für Spielerinnen und Spieler, die gern erkunden, Minispiele ausprobieren und sich in einer Welt aufhalten, ohne sofort den nächsten Fortschrittsbalken zu jagen, klingt das stark. Auch kleine Puzzle-Einlagen und viele versteckte Details gehören zu diesem Eindruck.

Der Stil macht viel aus

Optisch fällt Sea of Remnants durch seine Figuren auf. Die Charaktere wirken wie aus Holz geschnitzt. Das gibt dem Piratenabenteuer einen eigenen Ton, der nicht nur niedlich sein will.

Die Geschichte greift ebenfalls mehr auf, als man bei einer lockeren Piraten-Komödie erwarten könnte. In dieser Welt brechen Piraten immer wieder zu neuen Reisen auf. Wenn sie untergehen und wieder angespült werden, verlieren sie Besitz und Erinnerungen. Das Spiel macht daraus keinen reinen Trauerpunkt, sondern eine Idee über Neuanfang, Optimismus und die Frage, wer man ohne seine Vergangenheit ist.

Die Hauptfigur hat offenbar alles vergessen und sucht nach der titelgebenden Sea of Remnants, einem Ort, an dem verlorenes Wissen und Antworten liegen sollen. Die Geschichte soll zudem über mehrere Seasons weitergeführt werden.

Viele Systeme, viele Währungen

Genau hier wird es komplizierter. In den bisherigen Anspiel-Eindrücken führte Sea of Remnants auch nach mehreren Stunden immer neue Mechaniken und Ressourcen ein. Genannt wurden unter anderem Materialien für Fähigkeiten, Ressourcen für Attribute, Gerichte für den Schiffsausbau, Erfolge für höhere Levelgrenzen einzelner Figuren und ein Meta-Level-System für Angriffe und Effekte.

Das muss nicht automatisch schlecht sein. Viele Online-Rollenspiele leben von langfristigem Ausbau. Für ein gemütliches Spiel kann zu viel davon aber schnell wie Arbeit wirken. Besonders dann, wenn ständig kleine Belohnungen aufpoppen, ohne dass sich der eigene Fortschritt wirklich bedeutsam anfühlt.

Der Free2Play-Haken

Sea of Remnants bringt tägliche Quests, Herausforderungen und ein Event-Fenster mit. Damit ist klar: Das hier ist kein klassisches Offline-Rollenspiel, das man einfach in seinem eigenen Tempo abschließt.

Ein besonders wichtiger Punkt ist das sogenannte Überlandlevel. Die Hauptquest konnte in der Vorschau erst weitergespielt werden, nachdem dieses Level hoch genug war. Wer vorher viel erkundet hatte, war näher dran. Wer direkt der Story folgte, musste nachziehen.

Für manche kann das okay sein, weil sie sowieso gern abbiegen und Nebenaktivitäten mitnehmen. Für andere fühlt sich so eine Grenze wie ein Stopp-Schild an. Gerade bei einem Cozy-Spiel ist das heikel. Entspannung funktioniert besser, wenn man freiwillig durch die Welt streift, nicht weil ein Fortschrittswert es verlangt.

Gacha-Charaktere und einfache Kämpfe

Spielbare Figuren kommen entweder über die Story oder über ein Gacha-System. Die Charaktere haben eigene Fähigkeiten und fallen in Rollen wie Schaden, Tank und Support. Unterschiede gibt es außerdem bei Optik und Spezialangriffen mit eigenen Animationen.

Das kann für Fans einzelner Figuren schnell teuer werden, falls das Gacha-System streng ausfällt. Wie hart die Monetarisierung wirklich wird, lässt sich aktuell aber noch nicht sicher bewerten.

Interessant ist dabei: Die Landkämpfe wirkten in der Vorschau nicht besonders fordernd. Es handelt sich um Rundenkämpfe, bei denen Synergien und maximierte Werte kaum nötig gewesen sein sollen. Wenn das im fertigen Spiel so bleibt, wären starke Gacha-Figuren eher Sammelobjekte als Pflicht. Sollte der Schwierigkeitsgrad später anziehen, könnte sich diese Einschätzung ändern.

Seeschlachten bleiben wohl eher leicht

Auch die Kämpfe auf dem Meer klingen nicht nach harter Simulation. Das Schiff wird gesteuert, eine Kanone kann feuern, dazu gibt es drei Ausweichmanöver mit Abklingzeit. Die Steuerung soll sich eher direkt anfühlen, weniger wie ein träges Segelschiff.

Im Menü gibt es zwar eine Option für mehr Trägheit auf dem Wasser. Laut den bisherigen Eindrücken verändert das aber nicht grundsätzlich, dass sich das Boot weiterhin eher wie ein Fahrzeug mit Motor anfühlt. Wer eine genaue Segel-Simulation sucht, sollte hier also vorsichtig sein.

Für wen Sea of Remnants spannend ist

Sea of Remnants könnte besonders gut passen, wenn du gern:

  • in detailreichen Welten herumläufst, ohne sofort alles abhaken zu müssen,
  • Cozy-Spiele magst, die trotzdem eine größere Geschichte erzählen,
  • kleine Interaktionen, Minispiele und versteckte Momente suchst,
  • mit Online-Strukturen wie Events und täglichen Aufgaben leben kannst,
  • Gacha-Systeme kritisch siehst, aber nicht grundsätzlich ablehnst.

Vorsichtiger wäre ich, wenn du Free2Play-Spiele schnell als zu aufdringlich empfindest oder eine Story ohne Levelbremsen erleben willst. Genau an diesem Punkt muss Sea of Remnants noch zeigen, wie freundlich es wirklich mit der Zeit seiner Community umgeht.

Das Rollenspiel soll für gängige Konsolen und Mobile-Plattformen erscheinen. Ein konkretes Release-Datum ist noch nicht bekannt. Bis dahin bleibt Sea of Remnants für mich ein sehr spannendes, aber nicht sorgenfreies Cozy-Projekt.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.