Zurück zu den News
Preview

GreedFall 2 Vorschau: Rollenspiel vor Kampf

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

GreedFall 2 erscheint in Version 1.0 am 10. März für PC. Der aktuelle Vorschaustand macht vor allem eines deutlich: Wer hier ein Action-Rollenspiel wie beim ersten Teil erwartet, sollte vorsichtig sein.

Die Fortsetzung setzt stärker auf Gespräche, Fähigkeitenproben, politische Spannungen und moralische Graubereiche. Das kann genau richtig sein, wenn du Rollenspiele wegen ihrer Welt spielst. Wenn du GreedFall aber vor allem wegen der Kämpfe mochtest, wird GreedFall 2 deutlich schwieriger zu verkaufen.

Der große Bruch liegt im Kampfsystem

GreedFall 1 war stärker auf Echtzeit-Action ausgelegt. GreedFall 2 geht einen anderen Weg. Die Kämpfe orientieren sich am taktischen Ansatz klassischer Gruppen-Rollenspiele. Du führst einen kleinen Trupp und kannst entweder in Echtzeit agieren oder eine taktische Ansicht öffnen.

In dieser Ansicht stoppt die Zeit. Danach lassen sich für jedes Gruppenmitglied bis zu drei Befehle festlegen. Auf dem Papier ist das ein vertrautes System für alle, die ältere Party-Rollenspiele mögen. Es soll Planung erlauben, statt nur Reaktion zu verlangen.

Der Knackpunkt: Im aktuellen Vorschaustand wirkt dieser Teil weiterhin wie der Bereich mit dem größten Risiko. Besonders die Kontrolle über Verbündete scheint nicht immer sauber genug zu greifen. Wenn Begleiter markierte Ziele nicht zuverlässig angreifen, leidet ein taktisches System sofort. Dann kämpfst du nicht nur gegen Gegner, sondern auch gegen die Bedienung.

Die beste Nachricht: Man muss die Kämpfe nicht in den Mittelpunkt stellen

Interessant ist, dass GreedFall 2 offenbar selbst einen Ausweg anbietet. Wer die taktischen Elemente nicht nutzen möchte, kann sie weitgehend ignorieren und die Kämpfe auf einem leichten Schwierigkeitsgrad spielen. Damit verschiebt sich der Fokus klar.

Dann wird GreedFall 2 weniger zu einem Spiel über perfekte Gruppensteuerung und mehr zu einem klassischen Rollenspiel über Wege, Konsequenzen und Gespräche. Das nimmt den Kämpfen zwar Druck. Es kann aber genau die richtige Entscheidung sein, wenn die Stärken des Spiels woanders liegen.

Für mich ist das der wichtigste Punkt dieser Vorschau: GreedFall 2 scheint besser zu funktionieren, wenn man es nicht als Action-Spiel liest. Es will seine Spannung nicht nur aus Gefechten ziehen. Es will, dass du über Figuren, Fraktionen und deine eigene Skillung nachdenkst.

Die Welt bleibt der stärkste Grund, hinzusehen

Die Vorschau beschreibt eine Welt, die visuell nicht mit den ganz großen Rollenspiel-Schwergewichten mithalten muss, aber eine erkennbare Richtung hat. Die Animationen wirken demnach nicht immer lebendig genug, doch die Schauplätze und Konflikte tragen das Spiel stärker als reine Technik.

Wichtiger ist die inhaltliche Ebene. GreedFall 2 arbeitet erneut mit Reibung zwischen naturnahen Stämmen und kolonialisierenden Mächten. Daraus entstehen politische und gesellschaftliche Konflikte, die dem Spiel Gewicht geben. Nicht jede Idee scheint perfekt ausformuliert zu sein, aber die Themen stehen nicht nur als Dekoration im Raum.

Das passt zu einer Stärke, die man dem Studio Spiders schon länger zuschreibt: interessante Welten mit klaren Spannungen. GreedFall 2 scheint genau dort anzusetzen. Dialoge, Hintergründe und Entscheidungen sollen mehr tragen als bloße Missionslisten.

Skillchecks können echte Umwege erzwingen

Besonders spannend klingt der Umgang mit Fähigkeiten. GreedFall 2 lässt dich je nach Skillung nicht einfach überall durch. Fehlende Mechanik kann Türen verschlossen halten. Zu wenig Wahrnehmung kann Hinweise kosten. Schlechte Diplomatie kann Beziehungen belasten.

Das ist eine gute Richtung für ein Rollenspiel. Scheitern muss nicht sofort Game Over bedeuten. Es kann bedeuten, dass ein anderer Weg nötig wird. Genau dadurch gewinnt eine Figur Profil. Deine Werte sind dann nicht nur Zahlen im Menü, sondern entscheiden, wie du durch eine Situation kommst.

Wer solche Systeme mag, dürfte GreedFall 2 deutlich interessanter finden als ein weiteres Action-Abenteuer mit Dialogoptionen. Das Spiel scheint mehr Wert darauf zu legen, dass Entscheidungen und verpasste Chancen spürbar bleiben.

Für wen GreedFall 2 jetzt interessant wird

GreedFall 2 wirkt im aktuellen Stand wie ein Spiel mit einer klareren Ansage als zuvor. Die Frage ist nicht mehr nur, ob das Kampfsystem allen gefallen wird. Die wichtigere Frage lautet: Suchst du überhaupt ein Spiel, bei dem Kampf der Hauptgrund ist?

Wenn ja, bleibt Skepsis angebracht. Die taktische Steuerung kann interessant sein, braucht aber Verlässlichkeit. Gerade bei Gruppen-Kämpfen entscheidet oft die Präzision darüber, ob Planung Spaß macht oder nur Arbeit wird.

Wenn du dagegen auf Weltaufbau, Dialoge, Fraktionen und Skillchecks achtest, sieht GreedFall 2 deutlich besser aus. Dann kann der leichte Kampfmodus sogar ein Vorteil sein, weil er den Weg freimacht für das, was das Spiel besser kann.

  • Interessant für: Rollenspiel-Fans, die Entscheidungen und Weltaufbau wichtiger finden als Action.
  • Mit Vorsicht für: Spieler, die ein starkes, direktes Kampfsystem erwarten.
  • Wichtigster Punkt: GreedFall 2 scheint seine Identität stärker im Rollenspiel als im Kampf zu finden.

Damit bleibt GreedFall 2 ein spezieller Kandidat für den März. Nicht glatt, nicht für jeden, aber mit einer klaren Nische. Wenn die finale Version die technischen und spielerischen Schwächen weiter auffängt, könnte daraus ein Rollenspiel werden, das gerade wegen seiner Ecken spannend ist.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.