007: First Light setzt nicht auf eine bekannte Fleming-Vorlage, sondern erzählt eine eigene Ursprungsgeschichte um einen jungen James Bond. Das ist mutig, passt aber erstaunlich gut: Der Agent ist noch nicht die fertige Ikone, sondern ein Soldat, der nach einem Einsatz auf Island in den Blick von M gerät und später in das Doppelnull-Programm aufgenommen wird.
IO Interactive bringt dabei klar die eigene Hitman-Erfahrung mit. Du bekommst viele Situationen, in denen du nicht nur schießen musst, sondern beobachten, tricksen, schleichen und Wege abwägen kannst. Genau dort ist First Light am stärksten.
Ein junger Bond, der erst wachsen muss
Die Geschichte startet mit einem Hinterhalt auf Island. Bond überlebt als einziger seiner Einheit einen Helikopterabsturz und sucht danach nach Überlebenden und Verantwortlichen. Seine Reaktion bleibt nicht unbemerkt: M holt ihn später in das Doppelnull-Programm. Nach Monaten der Ausbildung führt der erste Auftrag zu einem abtrünnigen Ex-Agenten, doch bald deutet vieles auf größere Verstrickungen hin.
Der Einstieg braucht Geduld. Laut vorliegenden Eindrücken kommt die eigentliche Handlung erst nach gut drei Stunden richtig in Gang. Danach greift das Bond-Gefühl aber deutlich besser. Patrick Gibson spricht und verkörpert den jungen James Bond, der bewusst noch nicht alle Sprüche, Gesten und Routinen der bekannten Filmfigur besitzt.
Viel Bond für Fans
First Light bedient die Marke sichtbar. Es gibt einen Filmvorspann samt Bond-Song von Lana Del Rey, viele filmische Zwischensequenzen und Auftritte bekannter Gesichter wie Lennie James und Lenny Kravitz. Auch Figuren wie Q, Gadgets und klassische Sportwagen gehören zum Paket.
Das wirkt nicht nur wie Schmuck am Rand. Es hilft dem Spiel, seine eigene Bond-Version zu verkaufen. Achievements mit Anspielungen auf bekannte Bond-Momente sind kleine Extras für Fans, ohne dass sie das Spiel tragen müssen.
Die Hitman-DNA ist klar zu spüren
Viele Level geben dir mehrere Wege. Du kannst offensiv spielen, Gegner ausschalten und dich durchschießen. Oder du gehst leise vor, nutzt Verkleidung, Ablenkung und Gadgets. Mini-Blendgranaten, ein Laser-Armband und Injektionen mit Schwindel- oder Übelkeitseffekt öffnen unterschiedliche Lösungen.
Besonders stark sind Einsätze, in denen Information wichtiger ist als reine Gewalt. In einem Hotel kannst du dich etwa als Mitarbeiter ausgeben, eine Schlüsselkarte organisieren, durch die Lobby schleichen oder außen am Gebäude klettern. Oft stehen vier oder fünf Ansätze bereit. Der Zielpunkt bleibt fest, aber dein Weg dorthin ist häufig frei genug, um einen zweiten Durchlauf reizvoll zu machen.
Dazu kommen Sammelobjekte und die Möglichkeit, abgeschlossene Kapitel später einzeln anzuwählen. Wer gerne sauberere Routen sucht oder verpasste Dinge nachholt, bekommt also genug Gründe zurückzukehren.
Abwechslung mit Qualitätsunterschieden
First Light packt sehr viel in seine Einsätze: Schleichen, Schießen, Nahkampf, Autofahren, Bootfahren, Tatortarbeit, Klettern, Sprinten und Deckungssystem. Das ist für ein Bond-Spiel sinnvoll, weil die Vorlage immer mehr war als nur eine Schießbude.
Der Haken: Nicht jeder Teil spielt in derselben Liga. Autofahrten bleiben eher simpel, Nahkämpfe lassen sich oft mit grobem Buttondrücken lösen. Bei Bosskämpfen verlangt das Spiel mehr Aufmerksamkeit, doch die normale Action ist nicht immer tief. Trotzdem bleibt der Spielfluss oft stark, wenn du Gegner clever ablenkst, schnell ausschaltest oder eine Situation auf deine Weise auflöst.
Die langen Kapitel bremsen
Der größte spielerische Kritikpunkt liegt im Tempo. Einzelne Kapitel können zwei Stunden oder länger dauern. Das ist nicht automatisch schlecht, aber First Light hält die Spannung nicht in jedem Abschnitt durch. Wenn du dich lange durch ein Schiff kämpfst, nutzt sich die Idee schneller ab, als sie sollte.
Auch die vielen Systeme fordern ihren Preis. Gerade am Anfang bremsen ausführliche Tutorials den Ablauf. Wer IO Interactives Art von Menüs, Optionen und Controllerbefehlen nicht kennt, muss sich erst einarbeiten. Danach zahlt sich die Freiheit aus, der Weg dorthin ist aber zäher als nötig.
Technik: stark, aber nicht überall sauber
Optisch kann First Light viel hermachen, wenn die Hardware mitspielt. Die filmischen Sequenzen, die Schauplätze und das Agentenleben profitieren klar von starker Grafikleistung. Gerade die großen Storymomente wirken dadurch näher an einem Bond-Film.
Problematisch ist die Performance auf älteren PCs. Obwohl solche Rechner laut Systemvoraussetzungen noch geeignet sein sollen, werden sehr lange Ladezeiten und starke Ruckler bis hin zum Standbild beschrieben. Hier braucht das Spiel Nacharbeit. Wer auf schwächerer Hardware spielt, sollte diesen Punkt ernst nehmen.
Wertung
- Gameplay: 4 von 5, viele Wege und gute Agentenfreiheit, aber einfache Nebenmechaniken und lange Kapitel.
- Grafik: 4 von 5, filmisch und stark auf passender Hardware, mit klaren Performance-Sorgen auf älteren PCs.
- Story: 4 von 5, interessante Bond-Origin mit gutem Seriengefühl, aber langsamem Start.
- Sound: 4 von 5, prominente Stimmen, Patrick Gibson als Bond und ein eigener Bond-Song setzen klare Akzente.
GoodGame.Ruhr meint: 007: First Light ist kein perfekter Agenteneinsatz, aber ein überzeugender Neustart für Bond als Spielmarke. Die besten Momente entstehen, wenn IO Interactive seine Hitman-Stärken mit Bond-Gadgets, Filmflair und eigener Geschichte verbindet. Wer kurze, straffe Missionen erwartet, wird stellenweise Geduld brauchen. Wer Bond mag und mit längeren Einsätzen leben kann, bekommt hier aber ein starkes Fundament für mehr.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
