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Review

Yerba Buena im Test: Starke Rätsel, wenig Hilfe

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Yerba Buena ist ein First-Person-Puzzlespiel mit einer starken Idee: Du kopierst Bewegungen und Eigenschaften aus der Umgebung und überträgst sie auf andere Objekte. Daraus entstehen clevere Aufgaben, die sich oft frisch anfühlen.

Der Haken: Das Spiel hilft dir nur wenig. Wer gern tüftelt, bekommt viele starke Momente. Wer klare Hinweise oder viele Komfortoptionen braucht, wird an einigen Stellen härter landen.

Worum geht es?

Die Handlung führt nach San Francisco in die 70er-Jahre. Barb erlebt eine Welt, in der Objekte flackern, Möbel sich seltsam verhalten und Menschen wie eingefrorene Spielfiguren wirken. Nach einem Überfall wird ihr Freund Russell entführt. Kurz darauf findet Barb ein Gerät namens Oscillator.

Dieses Gerät zieht sie in eine Reihe nüchtern gestalteter Räume, in denen das Spiel seine Regeln erklärt. Später geht es um Russell, einen Biker namens Bear und einen Tech-Milliardär namens Noel, der den Yerba Buena-Park für einen High-Tech-Fernsehturm nutzen will.

Die Geschichte ist laut Test oft witzig geschrieben, bleibt aber eher Aufhänger als großer Dramamotor. Die Zwischensequenzen sind vertont, allerdings nur auf Englisch mit Untertiteln.

Der Oscillator ist die beste Idee

Yerba Buena steht klar in der Tradition von Spielen wie Portal, löst seine Rätsel aber anders. Der Oscillator öffnet keine Portale. Er kopiert 3D-Bewegungen und Eigenschaften bestimmter Objekte.

Ein Kran bewegt eine Kiste nach oben und unten? Diese Bewegung lässt sich speichern und auf ein anderes Objekt übertragen. Eine Rotation, eine seitliche Bewegung oder eine diagonale Bahn kann später ebenfalls wichtig werden. So verschiebt Barb Stockwerke, hebt schwere Objekte an oder blockiert Wege.

Mit Upgrades wächst das System. Eine Funktion lässt Objekte Eigenschaften von Qualm oder Dampf annehmen. Eine andere macht Oberflächen federnd, damit Barb höher springen kann. Das klingt nach Spielerei, wird aber regelmäßig zur Grundlage ganzer Rätselketten.

Gute Rätsel, klare Kanten

Die Stärke von Yerba Buena liegt darin, dass viele Aufgaben nicht nur eine Taste abfragen. Du musst beobachten, scannen, testen und manchmal den Raum aus einer anderen Position lesen. Manipulierbare Objekte werden im Scan-Modus farblich markiert. Orange zeigt, was sich kopieren lässt. Blau zeigt, worauf du etwas übertragen kannst.

Das hilft, ersetzt aber kein echtes Hinweissystem. Konkrete Tipps gibt es kaum. Hinweise stecken eher im Level selbst, etwa in Lampen, Kabelverläufen, Symbolen oder Texten an Wänden und Böden. Das ist sauber gedacht, kann aber zäh werden, wenn ein wichtiges Objekt verdeckt ist oder nur aus bestimmter Entfernung richtig anvisiert werden kann.

Gut ist: Yerba Buena bestraft Experimentieren kaum. Nach Stürzen, Lasern oder anderen Fehlern geht es ohne große Ladepause direkt vor der kritischen Stelle weiter. Falsch platzierte Objekte lassen sich zurücksetzen. Das ist nicht nur Komfort, sondern an manchen Stellen Teil der Lösung.

14 Kapitel mit echten Erfolgsmomenten

Der Test nennt insgesamt 14 Kapitel und eine Spielzeit von etwa zehn bis zwölf Stunden, je nach Spielweise. In dieser Zeit zieht Yerba Buena sein Konzept weit genug, um nicht nach dem Tutorial schon auserzählt zu wirken.

Spätere Abschnitte drehen den Anspruch hoch. Es gibt unter anderem Laser, größere Gebäudeabschnitte und Szenen, in denen mehrere Funktionen des Oscillators zusammenkommen. Genau hier entstehen die besten Momente: Erst hängt man fest, dann sieht man die Lösung, und plötzlich wirkt alles logisch.

Diese Art von Rätseldesign hat Gewicht. Sie kann aber frustrieren, wenn du eher ein sanft geführtes Abenteuer suchst. Ein optionales mehrstufiges Hilfesystem hätte dem Spiel gutgetan, ohne die harten Kopfnüsse kaputtzumachen.

Optik mit Stil, Animationen mit Luft nach oben

Visuell hat Yerba Buena einen eigenen Auftritt. Der bunte, bewusst einfache 3D-Stil passt zum 70er-Jahre-Setting und zu den surrealen Orten. Genannt werden etwa ein Freizeitpark aus Teilen der Golden Gate Bridge und ein Bürogebäude voller lebloser Figuren.

Nicht alles erreicht dieses Niveau. Die Figuren sind interessant gestaltet, wirken in Bewegung aber staksig. Das reißt das Spiel nicht um, macht aber klar, dass Yerba Buena eher über Idee, Räume und Rätsel kommt als über besonders feine Animationen.

Sound und Barrierefreiheit bremsen

Beim Ton ist das Bild gemischt. Umgebungsgeräusche fallen abwechslungsreich aus. Musik wird in vielen Kapiteln aber nur sparsam eingesetzt. Gerade beim 70er-Jahre-Setting hätte mehr musikalische Farbe gut gepasst.

Schwächer ist der Bereich Zugänglichkeit. Es gibt Untertitel, eine Anpassung des Sichtfelds und gewisse Optionen für die Steuerung. Vermisst werden aber ein Helligkeitsregler, ein Hochkontrastmodus, spezielle Modi für Farbenblindheit, eine optionale Zeitlupe für Timing-Passagen und eben ein Hilfesystem für Rätsel.

Das ist wichtig, weil Yerba Buena ein Spiel ist, das genau hinschauen verlangt. Wenn Sichtbarkeit, Timing oder Orientierung zum Problem werden, fehlt hier zu viel Unterstützung.

Wertung

  • Gameplay: 4 von 5, starke Kernmechanik, cleverer Aufbau, aber teils harte Hänger ohne Hilfesystem.
  • Grafik: 4 von 5, eigener Stil und gute Schauplätze, schwächere Animationen.
  • Story: 3 von 5, charmante Idee und gute Basis, aber wenig dramatische Wucht.
  • Sound: 3 von 5, solide Geräuschkulisse, zu wenig Musik und nur englische Sprachausgabe.

Für wen lohnt sich Yerba Buena?

Wenn du First-Person-Rätsel magst und gern selbst auf Lösungen kommst, solltest du Yerba Buena im Blick behalten. Die Oscillator-Mechanik trägt das Spiel und sorgt für viele Aufgaben, die man nicht schon aus anderen Genrevertretern kennt.

Wenn du schnell frustriert bist, viele Hilfen brauchst oder auf starke Komfort- und Barrierefreiheitsoptionen angewiesen bist, ist Vorsicht angebracht. Yerba Buena will, dass du suchst, ausprobierst und scheiterst. Genau daraus zieht es seine besten Momente, aber auch seine größten Schwächen.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.