Tomodachi Life: Living the Dream ist ein Spiel, das sofort bessere Geschichten schreibt, wenn du verrückte Miis baust. Du setzt dich selbst, Freunde, Promis oder Figuren auf eine Insel und schaust zu, was passiert. Sie reden Unsinn, verlieben sich, streiten sich und machen Sachen, die manchmal einfach sehr komisch sind.
Das Problem ist nur: Das Spiel will sozial wirken, lässt dich aber kaum richtig teilen. Miis und eigene Kreationen gehen nur lokal per WLAN weiter. Screenshots und Videos sind im Spiel ebenfalls gesperrt. Für ein Spiel, das von lustigen Momenten lebt, ist das ein ziemlich großer Fehler.
Was gut ist
Der neue Mii-Maker ist viel stärker als früher. Du kannst Haare genauer bauen, Frisuren für vorne und hinten kombinieren, mehr Haarfarben nutzen und Augen sowie Pupillen besser anpassen. Miis können jetzt sogar Ohren haben. Das klingt klein, hilft aber, wenn du bestimmte Personen nachbauen willst.
Auch optisch wirkt Living the Dream sauberer. Die HD-Grafik macht die Miis schärfer, ohne den einfachen Stil kaputtzumachen. Besonders im Handheld-Modus auf Switch 2 läuft das Spiel laut Testeindruck mit 1080p, obwohl es ein abwärtskompatibles Switch-1-Spiel ist.
Richtig stark wird es, wenn deine Insel voller Figuren ist. Anders als in der 3DS-Version fühlt sich die Insel mehr wie ein zusammenhängender Ort an und nicht nur wie ein Menü. Du siehst, wo deine Miis abhängen, baust Straßen, Läden, Wohnbereiche oder Spielplätze und gestaltest die Insel nach deinem Geschmack.
Die Miis machen den Spaß
Jedes Mii bekommt über Schieberegler einen von 16 Persönlichkeitstypen. Dazu kannst du Beziehungen festlegen, Pronomen wählen und Dating-Vorlieben einstellen. Das ist wichtig, weil so weniger komische oder unpassende Situationen entstehen, vor allem bei echten Familienmitgliedern.
Wenn du deine Miis fütterst, ihnen Kleidung gibst, Schätze schenkst oder sie anderen vorstellst, steigt ihre Zufriedenheit. Beim Levelaufstieg kannst du neue Sprüche, Verhaltensweisen und Geschenke vergeben. Dadurch fühlen sich die Figuren immer mehr wie deine eigenen kleinen Chaos-Menschen an.
Viele Situationen entstehen aus einfachen Regeln, werden aber durch deine Miis viel lustiger. Ein Streit zwischen zwei Figuren kann komplett absurd wirken, wenn du die Personen kennst. Ein Spaziergang mit einem Haustier, ein seltsamer Traum oder ein komisches Dinner-Gespräch reichen oft schon für einen guten Moment.
Was nervt
Nach einiger Zeit merkst du aber, dass manche Abläufe wiederkehren. Gespräche beim Freunde-Finden laufen oft ähnlich ab. Einige Minispiele, zum Beispiel Essen anhand einer Silhouette erkennen oder Miis umwerfen, werden schnell eintönig.
Das ist nicht das größte Problem. Viel schlimmer ist das Teilen. Miis lassen sich nicht einfach online weitergeben. Du kannst sie nur an jemanden schicken, der im selben Raum über lokales WLAN verbunden ist. Die 3DS-Version konnte Miis als QR-Code speichern. Andere konnten sie scannen und direkt nutzen. Diese einfache Lösung fehlt hier.
Es gibt zwar Umwege. Alte 3DS-QR-Codes funktionieren noch, wenn du einen alten 3DS, ein Amiibo und mehrere Schritte nutzt. Miis aus der Switch-Version von Miitopia können auch helfen, werden wegen des Make-up-Systems aber nicht immer genau übertragen. Das ist alles machbar, aber viel zu umständlich.
Eigene Sachen bauen macht Spaß
Im Palette House kannst du eigene Kleidung, Objekte und Deko bauen. Das geht per Controller oder Touchscreen. Es funktioniert gut und ist ziemlich genau, fühlt sich aber nicht so natürlich an wie früher mit einem Stylus auf dem 3DS.
Zum Glück gibt es schon sehr viele Kleidungstücke, Lebensmittel und Schätze im Spiel. Du musst also nicht alles selbst bauen. Läden schalten sich mit der Zeit frei und bieten täglich wechselnde Sachen an. Wenn du etwas einmal gekauft hast, bleibt es danach im Sortiment.
Auch beim Inselbau ist Living the Dream angenehm. Wege, Laternen, Spielplatzteile und andere Bauelemente lassen sich leicht setzen. Wenn dir etwas fehlt, kannst du direkt aus dem Editor in den Laden wechseln. Das spart Zeit und fühlt sich gut an.
Warum das Teilen so weh tut
Living the Dream lebt davon, dass du etwas Lustiges siehst und es anderen zeigen willst. Genau dabei stellt sich das Spiel selbst ein Bein. Screenshots und Videos lassen sich nicht direkt von der Switch aufs Smartphone schicken. Wenn du etwas teilen willst, brauchst du USB, eine MicroSD-Karte oder ein Handyfoto vom Bildschirm.
Man kann verstehen, warum Nintendo vorsichtig ist. Es gibt keinen Sprachfilter, und eigene Kreationen können fast alles darstellen. Gerade bei einem Spiel, das auch Kinder spielen, ist Sicherheit wichtig.
Trotzdem wirkt die Lösung zu hart. Ein Teilen mit bestätigten Freunden hätte besser gepasst. Auf Switch 2 gibt es bereits Systeme mit gegenseitiger Zustimmung, zum Beispiel für GameChat. So etwas hätte auch für Miis und Kreationen Sinn ergeben.
Für wen lohnt es sich?
Wenn du gerne Miis baust, absurde Situationen magst und dich über kleine Alltagsdramen auf einer Insel freuen kannst, wirst du mit Living the Dream viel lachen. Das Spiel belohnt deine eigenen Ideen stark. Je besser deine Miis zu echten Personen oder Figuren passen, desto lustiger wird es.
Wenn du aber vor allem Designs aus dem Netz sammeln, Figuren von anderen übernehmen oder deine besten Momente schnell teilen willst, wirst du genervt sein. Genau dieser Teil ist schwach.
Tomodachi Life: Living the Dream ist deshalb ein sehr witziges Spiel mit einer komischen Bremse. Der Kern macht Spaß. Die Figuren sind klasse. Die Insel ist viel freier als früher. Aber bei einem Spiel über Kreativität und andere Leute fühlt sich das Teilen einfach falsch eingeschränkt an.
Über den Autor
Jüngster Autor im GoodGame.Ruhr Team mit frischem Blick auf moderne Gaming-Trends. Spezialisiert auf Battle Royale Games, Esports und die neuesten Gaming-Technologien. Bringt die Perspektive der Gen-Z in unsere Berichterstattung.