Super Meat Boy 3D nimmt eine riskante Abkürzung: Es überträgt ein Spiel, das von millimetergenauen 2D-Sprüngen lebt, in Räume mit Tiefe. Genau daran sind schon viele Platformer gescheitert. Hier klappt es überraschend sicher.
Das kleine deutsche Team Sluggerfly trifft vor allem den wichtigsten Punkt: Meat Boy lässt sich schnell, hart und sehr präzise steuern. Wer das Original mochte, bekommt keinen kompletten Neustart, sondern eine direkte Fortsetzung der alten Idee in neuer Perspektive.
Die Steuerung ist der große Sieg
Ein Super Meat Boy steht und fällt mit Kontrolle. Ein Sprung muss sofort kommen. Ein Wandsprung darf nicht schwammig wirken. Ein Fehler soll sich wie dein Fehler anfühlen, nicht wie ein Problem der Eingabe.
Super Meat Boy 3D bekommt genau das hin. Meat Boy lässt sich sauber an Wänden platzieren, kann per Wall Run an schrägen Flächen entlanglaufen und reagiert so direkt, wie es ein Spiel dieser Art braucht. Gerade weil die dritte Dimension Abstände schwerer lesbar macht, ist das keine kleine Leistung.
Das Spiel verlangt dabei nicht ganz dieselbe brutale Genauigkeit wie die härtesten Passagen des alten 2D-Teils. Lücken zwischen Sägeblättern fallen etwas großzügiger aus. Schmale Plattformen verzeihen kleine Fehleinschätzungen eher. Das ist keine Schwäche, sondern eine sinnvolle Anpassung an die Perspektive.
Altbekannter Aufbau, stark umgesetzt
Am Kern ändert sich wenig. Meat Boy will Bandage Girl erreichen und Dr. Fetus ausbremsen. Am Ende jeder Welt wartet ein Boss. Mal fliehst du durch einen schweren Hindernisparcours, mal weichst du in einer Arena Angriffen aus.
Auch die Sammel- und Zusatzaufgaben sind wieder da. In jeder Stage gibt es ein verstecktes Pflaster. Wer es findet, schaltet weitere Figuren frei, teils mit eigenen Fähigkeiten. Dazu kommen geheime Ausgänge und Bonus-Stages mit besonders schrägen Charakteren.
Für die Langzeitmotivation sorgt wieder die Dark World. Wer eine Levelzeit unterbietet, öffnet eine schwerere Variante. Für 100 Prozent reicht es also nicht, nur irgendwie anzukommen. Du musst die Route lernen, Tempo halten und Risiken nehmen.
Speedruns passen sehr gut zur neuen Tiefe
Die dritte Dimension macht Super Meat Boy 3D nicht nur komplizierter. Sie öffnet auch neue Wege. Mit Wandsprüngen und der aus Super Meat Boy Forever bekannten Dash-Funktion lassen sich Abstände überbrücken und Hindernisse anders angehen.
Viele Level wirken so gebaut, dass Abkürzungen nicht nur erlaubt, sondern eingeplant sind. Wer sauber spielt, muss selten warten. Hindernisse lassen sich im Fluss nehmen, wenn Timing und Route sitzen. Das ist wichtig, weil Super Meat Boy immer dann am besten ist, wenn du nach einem Tod sofort noch einmal startest und direkt schneller wirst.
Die Kamera hält fast immer mit
Ein 3D-Platformer dieser Art braucht Lesbarkeit. Du musst sehen, wo Sägen, Raketen, Gegner und Plattformen wirklich stehen. Die Kamera löst das meistens gut. Sie gibt genug Übersicht, ohne das Spiel zu langsam wirken zu lassen.
Es gibt aber Aussetzer. In späteren, alternativen Stages kann die Kamera zu weit weg stehen. Dann wird es schwer, zielsuchende Raketen oder Geister korrekt einzuschätzen. Das passiert nicht ständig, aber es fällt auf, weil ein einziger falscher Eindruck in diesem Genre sofort den Tod bedeutet.
Diese Stellen zeigen die Grenzen des Konzepts. Super Meat Boy 3D ist präzise, aber 3D bleibt ungenauer lesbar als 2D. Sluggerfly kaschiert das oft klug, ganz verschwinden lässt es sich nicht.
Viele gute Ideen, aber kaum neue
Der größte Vorwurf liegt nicht bei der Ausführung, sondern bei der Fantasie. Super Meat Boy 3D kombiniert die alte Formel mit Ideen, die man aus anderen 3D-Platformern kennt. Eine Markierung unter der Figur hilft bei der Orientierung. Manche Hindernisse erinnern deutlich an bekannte Nintendo-Designs, besonders an Super Mario 3D World.
Das ist spielerisch kein Problem. Die Elemente passen zusammen. Pulsierende Gefahren, Wandpassagen, fliegende Gegner und schnelle Routen ergeben starke Level. Nur überrascht das Spiel selten.
Nach mehr als 15 Jahren hätte ein neues Super Meat Boy mehr eigene Einfälle vertragen. Die Dark World ist stark, aber nicht neu. Die Bosse erfüllen ihren Zweck, bleiben aber eher solide als besonders. Super Meat Boy 3D wirkt deshalb wie ein sehr gutes Spiel, das an einigen Stellen zu vorsichtig bleibt.
Für wen lohnt sich Super Meat Boy 3D?
Wenn du harte Platformer magst, bekommst du hier sehr viel Substanz. Die Steuerung ist stark, die Level fordern dich, und die Jagd nach Bestzeiten passt hervorragend zum Tempo der Reihe.
Wenn du vor allem frische Ideen suchst, kann dich Super Meat Boy 3D eher bremsen. Es baut mehr auf bekannte Formen als auf große Überraschungen. Das ist schade, weil die technische und spielerische Grundlage genug Stärke für mutigere Ideen gehabt hätte.
Für mich ist Super Meat Boy 3D trotzdem ein klarer Erfolg. Nicht, weil es das Genre neu sortiert. Sondern weil es eine extrem schwierige Aufgabe sauber löst: Es macht aus einem 2D-Präzisionsspiel einen schnellen, harten und meistens fairen 3D-Platformer.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
