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Review

Metroid Prime 4 im Test: Starkes Comeback mit Sand im Getriebe

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Metroid Prime 4: Beyond ist am besten, wenn es Samus allein lässt. Dann greift wieder dieser besondere Rhythmus aus Scannen, Kämpfen, Rätseln und vorsichtigem Vorarbeiten durch fremde Anlagen. In diesen Momenten wirkt die lange Pause der Reihe fast egal.

Ganz sauber landet das Comeback trotzdem nicht. Die großen Gebiete tragen viel, die neue Psi-Ausrichtung bringt brauchbare Ideen, und die Technik macht einen starken Eindruck. Gleichzeitig zieht eine leere Wüstenzentrale das Tempo herunter. Dazu kommen Begleiter, die manchmal Charakter bringen, manchmal aber zu viel reden.

Der Prime-Kern funktioniert wieder

Die stärksten Abschnitte von Beyond erinnern daran, warum Metroid Prime auf dem GameCube so wichtig war. Du arbeitest dich durch klar gebaute Bereiche, liest die Welt über Scans, findest Upgrades und öffnest damit neue Wege. Das Spiel setzt weniger auf ein großes, verzweigtes Netz wie der erste Teil und stärker auf einzelne Regionen, die wie große Dungeons funktionieren.

Das macht Beyond weniger verschachtelt als klassische Metroid-Fans es vielleicht erwarten. Verloren fühlt man sich selten. Für neue Spieler ist das ein Vorteil. Wer Prime bisher nur vom Namen kennt, bekommt hier einen vergleichsweise leichten Einstieg in diese Art von 3D-Erkundung.

Die Psi-Fähigkeiten ergänzen Samus' bekannte Ausrüstung sinnvoll. Objekte lassen sich bewegen, Schüsse können auf mehrere Ziele gelenkt werden, Morph-Ball-Aufgaben spielen mit Schwung, und Energiequellen müssen gefunden werden. Vieles davon wirkt vertraut, aber es passt sauber in den Spielfluss.

Kämpfe mit Tempo, aber nicht ohne Leerlauf

Das Lock-On-Shooting bleibt schlicht, aber angenehm direkt. Gegner fixieren, ausweichen, Strahlen oder Raketen nutzen, Schwachstellen erkennen. Beyond modernisiert diesen Ablauf mit besserer Beweglichkeit, schnellen Ausweichschritten und einem nützlicheren Visier.

Auch die neuen Elementarstrahlen helfen nicht nur im Kampf, sondern auch beim Erkunden. Das ist wichtig, weil Metroid Prime nie ein reiner Shooter war. Die Kämpfe funktionieren am besten, wenn sie kurze Druckpunkte zwischen Rätseln und Erkundung bilden.

Schwächer wird es, wenn Beyond auf Gegnerwellen setzt. Dann rutscht es kurz in ein älteres Shooter-Gefühl ab. Die Bosskämpfe gleichen das aber zu großen Teilen aus. Sie setzen auf große Kreaturen, direkte Duelle und klare Muster, statt nur mehr Gegner in den Raum zu werfen.

Die Wüste ist der größte Fehltritt

Das neue Motorrad steuert sich ordentlich und wird in die Handlung eingebunden. Das Problem ist sein Hauptgebiet: Sol Valley. Diese Wüste dient als Knotenpunkt zwischen den wichtigen Orten. Sie ist nicht riesig, aber sie wirkt leer.

Beim Fahren tauchen wiederholt ähnliche Gegner auf. Die Gegenwehr bleibt simpel: schießen oder rammen. Optionale kleine Rätselorte liefern Upgrades, aber das Suchen im Sand macht wenig Freude. Es fühlt sich eher nach Pflichtweg als nach echter Entdeckung an.

Besonders schade ist eine Hauptaufgabe, bei der grüne Energie gesammelt werden muss. Die Idee, die Geschichte der Lamorn zu bewahren, klingt stark. In der Praxis bedeutet sie aber vor allem, durch die Wüste zu fahren und Kristalle mitzunehmen. Das ist kein Kaufhindernis, aber klar der Teil, den Beyond am wenigsten gebraucht hätte.

Begleiter zwischen Charme und Störung

Beyond setzt Samus öfter mit Figuren der Galaktischen Föderation zusammen. Einige davon bringen gute Momente. Ein Ingenieur, ein verletzter Scharfschütze oder ein großer Samus-Fan geben dem Spiel eine eigene Note. Gesichtsanimationen und Sprachausgabe wirken für Nintendo-Verhältnisse deutlich stärker als früher.

Der Preis dafür ist mehr Gerede. Manche Dialoge klingen abgenutzt, manche Hinweise kommen zu oft. Es gibt zwar optionale Richtungshilfen auf dem Bildschirm, doch die Funkkommentare der Begleiter lassen sich nicht vergleichbar sauber ausblenden.

Wichtig ist: Beyond weiß trotzdem oft, wann Ruhe besser ist. Mehr als die Hälfte der Spielzeit verbringt Samus allein. Dann entsteht wieder diese kühle, leicht bedrohliche Science-Fiction-Stimmung, die zur Reihe gehört.

Technik: Auf Switch 2 ein klarer Schritt

In den Hauptgebieten zeigt Beyond seine stärkste Seite. Beleuchtung, Architektur, Hintergründe und Raumdetails greifen gut ineinander. Visier-Effekte wie beschlagene Sicht bei Temperaturwechseln oder Regentropfen im Sturm verstärken den Eindruck, wirklich im Anzug zu stecken.

Auf Switch 2 läuft das Spiel laut Testbasis in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde. Es gibt außerdem eine 120-fps-Option mit niedrigerer Auflösung. Damit wirkt Beyond wie ein großer technischer Sprung für Nintendo, auch wenn es nicht mit den aufwendigsten PC- oder Konkurrenzkonsolen-Spielen gleichzieht.

Die Switch-1-Version fällt durch eine niedrigere Auflösung sichtbar weicher aus. Sie hält aber ebenfalls 60 Bilder pro Sekunde. Genannt wurden längere Ladezeiten zu Beginn und leichte Pop-ups in der Wüste. Wer noch nicht auf Switch 2 gewechselt ist, bekommt demnach keine kaputte Version, sondern eine brauchbare.

Steuerung: Viele Optionen, eine klare Empfehlung

Die Dual-Stick-Steuerung mit dem Switch 2 Pro Controller wirkt wie die beste Standardlösung. Optional hilft Bewegungssteuerung beim Feinzielen, ähnlich wie man es von Splatoon kennt. Auch eine getrennte Joy-Con-Steuerung nach Wii-Vorbild funktioniert.

Die Maussteuerung der Switch 2 ist technisch interessant, weil man spontan wechseln kann, sobald der Controller auf einer ebenen Fläche liegt. Für lange Sitzungen wirkt sie aber weniger bequem als die klassischen Varianten.

Wertung

  • Gameplay: 4/5 Starke Erkundung, gute Bosskämpfe und sinnvolle neue Fähigkeiten. Die Wüste und Gegnerwellen kosten Punkte.
  • Grafik: 5/5 Sehr starke Art Direction, saubere Technik auf Switch 2 und eine solide Umsetzung für Switch 1.
  • Story: 3/5 Die Lamorn-Idee und einzelne Figuren funktionieren. Dialogklischees und zu viele Hinweise stören.
  • Sound: 5/5 Chöre, elektronische Klänge und kräftige Musikstücke treffen die Prime-Stimmung sehr sicher.

Urteil

Metroid Prime 4: Beyond ist kein makelloser Neustart. Dafür stehen die leere Wüste, die Sammelaufgabe und manche Begleiter-Kommentare zu klar im Weg. Aber es ist ein starkes Comeback, weil die wichtigen Dinge sitzen: Atmosphäre, Weltbau, Erkundung, Bosskämpfe und das Gefühl, in Samus' Anzug eine fremde Welt zu lesen.

Wer Prime wegen Isolation und verschachtelter Entdeckung liebt, muss ein paar moderne Kompromisse akzeptieren. Wer einen Einstieg in die Reihe sucht, bekommt dafür wahrscheinlich den freundlichsten Teil. Beyond ist ungleichmäßig, aber seine besten Stunden gehören klar zu den starken Momenten der Serie.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.