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Die Legende von Khiimori: Schönes Pferde-RPG, wackliger Start

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Die Legende von Khiimori hat eine Idee, die sofort hängen bleibt: ein Open-World-Rollenspiel, in dem nicht der Kampf, sondern die Verbindung zu deinem Pferd im Mittelpunkt steht. Als Kurierreiterin Naraa reist du durch die Mongolei des 13. Jahrhunderts, lieferst Waren aus, kartierst Wege und musst dein Tier ernst nehmen.

Gerade deshalb ist der aktuelle Early-Access-Stand so spannend und so schwierig. Die Grundlagen wirken besonders für Pferdefans frisch. Gleichzeitig stolpert das Spiel noch über kaputte Quests, unzuverlässige Interaktionen und Technikprobleme, die den schönen Ansatz oft ausbremsen.

Das Pferd ist nicht nur ein Fahrzeug

Viele Open-World-Spiele behandeln Reittiere wie schnellere Beine. Khiimori geht einen anderen Weg. Dein Pferd hat Ausdauer, Gesundheit, Hunger, Durst und Stimmung. Du musst also nicht nur an dein Ziel denken, sondern auch daran, wie du dort ankommst.

Das klingt erst einmal nach vielen Leisten. In der Praxis steckt hier aber die beste Idee des Spiels. Du wechselst je nach Boden und Strecke zwischen Schritt, Trab, Kanter und Galopp. Weiche Wiesen laden zu mehr Tempo ein. Geröll, Flussbetten oder steile Böschungen verlangen Vorsicht. Wer nur geradeaus prescht, riskiert ein erschöpftes oder verletztes Tier.

Schön ist auch, dass die Karte dadurch wichtiger wird. Du planst Routen, suchst sichere Übergänge und legst Pausen ein. Dein Pferd kann grasen, trinken oder gefüttert werden. Du kannst es striegeln, die Hufe auskratzen, Leckerlis geben oder sein Fell kraulen. Das macht die Reise langsamer, aber bewusster.

Viele Systeme, aber noch wenig Halt

Khiimori will mehr als schöne Ausritte bieten. Im Menü siehst du Eigenschaften, Gefühle und Gene deines Pferdes. Skills wie Balance oder Geschicklichkeit verbessern sich, wenn du passende Dinge tust, etwa schwieriges Gelände meisterst oder oft galoppierst. Die Spielfigur selbst steht weniger im Mittelpunkt. Der Fortschritt läuft stark über die Tiere.

Dazu kommen Zucht, Inventarbalance, Crafting, Kälte, gefährliche Tiere und Ausrüstung wie Pfeil und Bogen oder Tierabwehrbeutel. Auf dem Papier passt das zusammen. Du reitest, beobachtest die Umgebung, sammelst Materialien und bereitest dich auf schwierigere Wege vor.

Der Haken: Viele dieser Systeme fühlen sich im Early Access noch nicht wichtig oder sauber genug an. Neue Pferde sind offenbar so günstig, dass Zucht aktuell eher für Spielerinnen und Spieler interessant ist, die sich wirklich mit Genetik beschäftigen wollen. Das Ausbalancieren der Satteltaschen ist ein nettes Detail, aber noch kein starker Grund, lange darüber nachzudenken. Beim Crafting fehlen teils Zutaten oder Baupläne, ohne dass das Spiel klar genug erklärt, was als Nächstes hilft.

Die Technik steht dem Gefühl im Weg

Am stärksten leidet Khiimori im Moment unter Fehlern. Besonders bitter ist das, weil die besten Ideen direkt das Pferd betreffen. Interaktionen können ausbleiben. Ein Pferd soll trinken, reagiert aber nicht richtig. Eine behandelte Verletzung verbessert sich nicht wie erwartet. Beim Heranrufen kann das Tier ungelenk über Dächer oder in Wände geraten. In schlimmen Fällen stürzt es von einer Klippe und verletzt sich schwer.

Wenn das Pferd ohnmächtig wird, bleibt nur ein früherer Speicherstand. Weil nur automatisch gespeichert wird, kann dabei im ungünstigen Fall ein Fortschritt von bis zu 20 Minuten verloren gehen. Das ist kein gutes Spannungsgefühl, sondern unnötiger Stress.

Auch Quests brauchen noch Arbeit. Das Tutorial bietet mehrere Aufgaben und Erklärungen, doch Marker können falsch sein oder ganz fehlen. Ein Auftrag rund um einen Berg kann dadurch blockieren, wenn der richtige Ort schwer zu finden ist oder ein Quest-Item nicht erscheint. Im freien Spiel fällt das weniger auf, dort fehlt dafür ein stärkerer roter Faden abseits von Transportaufträgen.

Eine Welt, in der man gern anhalten möchte

Optisch zeigt Die Legende von Khiimori schon jetzt, warum die Idee so viele Pferdefans abholen kann. Die Landschaften der Unreal Engine 5 wirken atmosphärisch. Tiefschnee, Steppe, Sonnenuntergänge, Wetterwechsel und Tag-Nacht-Rhythmus geben der Reise ein starkes Gefühl für Ort und Strecke.

Besonders die Pferde profitieren davon. Sie sind detailliert gestaltet und natürlich animiert. Genau hier trifft das Spiel seinen Kern. Wenn du dein Tier beobachtest und die Route an die Umgebung anpasst, merkt man, was Khiimori einmal werden könnte.

Ganz sauber ist aber auch die Optik nicht. NPC-Gesichter wirken steif und wächsern. Animationen abseits der Pferde fallen dagegen ab. Dazu kommen Framerate-Einbrüche und Abstürze, sogar auf starker Hardware. Wetterwechsel können außerdem sehr plötzlich auftreten und die Sicht stark einschränken.

Für wen lohnt sich der Early Access?

Wenn du Pferdespiele liebst und lange auf ein ambitioniertes Reitabenteuer gewartet hast, solltest du Die Legende von Khiimori im Blick behalten. Die Idee ist selten. Das Spiel nimmt Pferde nicht nur als Dekoration, sondern als Mittelpunkt seiner Open World. Das allein macht es interessant.

Wenn du aber ein rundes, gut erklärtes und verlässliches Spiel suchst, ist Warten im Moment die vernünftigere Wahl. Der Early Access zeigt Potenzial, aber auch viele Baustellen. Besonders kaputte Interaktionen und Questprobleme treffen genau die Bereiche, die eigentlich tragen müssten.

Der beste Rat lautet daher: beobachten, Updates abwarten und erst dann aufsteigen, wenn die Technik besser mit den guten Ideen mithält. Khiimori kann ein besonderes Pferde-Rollenspiel werden. Aktuell fühlt es sich aber eher wie ein vielversprechender Trainingsritt an, bei dem noch zu oft der Boden wegrutscht.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.