Pokémon Champions hat eine richtig klare Idee: keine Orden, kein langes Fangen, kein Story-Weg. Du baust ein Team und kämpfst online gegen andere Trainer.
Das Problem: Genau dieser Fokus macht die Lücken noch sichtbarer. Wenn fast alles am Spiel aus Kämpfen besteht, dann müssen Modi, Pokémon-Auswahl und Optik mehr liefern. Zum Start fühlt sich Champions eher wie ein halbes Fundament an.
Die Kämpfe fühlen sich sofort nach Pokémon an
Wenn du die Hauptspiele kennst, bist du schnell drin. Zwei Teams mit je sechs Pokémon werden vorbereitet. Danach wählst du für den Kampf entweder 3-gegen-3-Einzelkämpfe oder 4-gegen-4-Doppelkämpfe aus. Die Züge werden gleichzeitig gewählt, dann läuft der Kampf rundenweise ab.
Das Grundsystem funktioniert weiter. Gegner lesen, Typen einschätzen, Risiken nehmen, manchmal auf Glück hoffen: Genau deshalb sind Pokémon-Kämpfe seit Jahren so beliebt. Champions nutzt diese Stärke ziemlich direkt.
Auch Bugs wurden seit dem Start laut Testeindruck bereits angegangen. Das ist wichtig, weil Champions kaum etwas anderes hat, worauf es sich stützen kann. Wenn die Kämpfe nicht tragen, bricht alles weg.
Was nervt: Es gibt fast nur Online-PvP
Für ein reines Kampfspiel bietet Champions überraschend wenig Auswahl. Du kannst online spielen, darunter einfache Kämpfe, Ranglisten-Kämpfe und private Kämpfe. Aber echte Solo-Inhalte fehlen.
Das ist schade, weil viele Spieler ihre Teams erst mal ausprobieren wollen. Ein Offline-Modus, Herausforderungen gegen besondere Trainer oder Kämpfe gegen starke Legendäre hätten schon geholfen. Stattdessen heißt es: online antreten oder nichts machen.
Auch ein Kampf mit dem kompletten Sechser-Team fehlt. Du bereitest zwar sechs Pokémon vor, kämpfst aber nicht mit allen gleichzeitig durch. Wer sich mehr Varianten erhofft hat, wird hier schnell ausgebremst.
Nur 186 Pokémon sind zu wenig
Der Kader ist ein großer Schwachpunkt. Champions startet mit 186 Pokémon. Das klingt erst mal nach viel, ist für Pokémon aber ziemlich wenig.
Viele frühe Entwicklungen fehlen. Auch bekannte Namen wie Porygon, Schlurp, Gortrom, Mewtwo, Mew und die meisten Legendären sind nicht dabei. Es wirkt so, als hätte Champions vor allem viele besonders beliebte Pokémon genommen und den Rest erst mal draußen gelassen.
Für normale Fans ist das ärgerlich, weil Lieblingsmonster fehlen können. Für starke Turnier-Spieler ist es noch härter. Von 22 Pokémon, die bei der Masters Division der Pokémon-Weltmeisterschaft 2025 in Teams vorkamen, sind aktuell nur drei in Champions spielbar.
Items fehlen auch
Nicht nur bei den Pokémon ist die Auswahl knapp. Auch bei den Halte-Items wirkt Champions noch sehr leer. Viele Items sind Heilbeeren oder verstärken bestimmte Attackenarten.
Wichtige Items für starke Strategien fehlen. Genannt werden unter anderem Power-Kraut, Wahlbrille und Luftballon. Mega-Entwicklungssteine sind ebenfalls nicht dabei.
Dadurch fühlt sich Champions für ernste Kämpfe noch nicht wie die große neue Plattform an. Gerade mit Blick auf die Pokémon-Weltmeisterschaften Ende August ist offen, ob das Spiel bis dahin genug nachlegt.
Pokémon holen: Home oder Farm
Deine Pokémon bekommst du auf zwei Wegen. Du kannst sie über Pokémon Home aus früheren Spielen übertragen. Dieser Weg wird im Test als unkompliziert beschrieben, auch beim Zurückschicken.
Oder du nutzt die Farm in Champions. Dort tauchen Pokémon in einem rotierenden Pool auf. Jeden Tag gibt es einen kostenlosen Zug. Mit Victory Points, kurz VP, kannst du Pokémon dauerhaft holen. Alternativ kannst du sie eine Woche lang kostenlos mieten.
Die Wartezeit bis zum nächsten Zug lässt sich mit Tickets verkürzen, die du über Ziele verdienst. Das erinnert stark an Mobile-Spiele. Das passt auch, weil Champions später im Jahr für Handys kommen soll. Zum Testzeitpunkt lief es auf Switch 1 und Switch 2.
Free-to-Start ohne sofortigen Druck, aber mit Risiko
Champions nennt sich Free-to-Start. Im Test gab es noch keinen starken Zwang, Geld auszugeben. Casual-Kämpfe, Ranglisten-Kämpfe und private Kämpfe sind kostenlos spielbar.
Es gibt ein Starter-Pack-Bundle für 7 Euro. Die wichtige Währung VP kann aktuell aber über tägliche, wöchentliche und besondere Missionen sowie Ranglisten-Duelle verdient werden.
Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Im Trainingsraum kannst du mit VP wichtige Dinge anpassen: individuelle Werte, Attacken, Spezialfähigkeit und Natur eines Pokémon. Das ist für Team-Ideen richtig stark. Aber wenn VP später direkt gekauft werden könnten, wäre das ein klarer Schritt in Richtung Pay-to-Win.
Die Grafik ist für ein Kampfspiel zu schwach
Champions dreht sich fast nur um Kämpfe. Darum müssten die Pokémon und Attacken besonders gut aussehen. Genau da enttäuscht das Spiel.
Die Pokémon-Modelle wirken detailarm. Die Attacken sind sehr unterschiedlich. Hyperstrahl sieht stark aus. Body Slam wirkt dagegen sehr simpel. Bei Kugelsaat erscheinen die Projektile nicht einmal sauber direkt am Pokémon.
Das ist 2026 schwer zu schlucken. Nur Pokémon in 3D zu sehen, reicht nicht mehr als Wow-Effekt. Gerade wenn es keine große Welt, keine Story und kaum andere Inhalte gibt, müssten die Kämpfe viel mehr Eindruck machen.
Für wen lohnt es sich?
Wenn du einfach schnell ein paar Pokémon-Kämpfe online spielen willst, kann Champions Spaß machen. Das Kampfsystem ist weiter gut. Ein schneller Kampf gegen echte Gegner hat seinen Reiz.
Wenn du aber viele Modi, Solo-Aufgaben, eine große Pokémon-Auswahl oder starke Turnier-Optionen willst, ist Champions zum Start schwer zu empfehlen. Es fühlt sich mehr wie ein Anfang an als wie ein fertiger Kampf-Hub.
Mein Eindruck: Pokémon Champions hat den wichtigsten Teil, die Kämpfe, nicht kaputt gemacht. Aber rundherum fehlt zu viel. Als kostenloser Kampfraum ist es okay. Als neues Zuhause für Pokémon-Kämpfe ist es noch nicht bereit.
Wertung
- Gameplay: 3 von 5, das Kampfsystem macht Spaß, aber Modi und Optionen fehlen.
- Grafik: 2 von 5, Modelle und Attacken sehen oft zu schlicht aus.
- Story: 1 von 5, echte Solo- oder Story-Inhalte gibt es praktisch nicht.
- Sound: 3 von 5, keine klare Stärke und kein großer Kritikpunkt aus dem Testmaterial.
Über den Autor
Jüngster Autor im GoodGame.Ruhr Team mit frischem Blick auf moderne Gaming-Trends. Spezialisiert auf Battle Royale Games, Esports und die neuesten Gaming-Technologien. Bringt die Perspektive der Gen-Z in unsere Berichterstattung.