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Xbox Game Studios: Zwei Top-Leute gehen in unruhiger Phase

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Bei den Xbox Game Studios gibt es einen spürbaren Wechsel an der Spitze: Craig Duncan, bisher Leiter der Xbox Game Studios, und Stabschefin Louise O’Connor verlassen Microsoft. Ein offizieller Grund für den gemeinsamen Abschied wurde nicht genannt.

Brisant ist vor allem der Zeitpunkt. Rund um Xbox gibt es wachsende Sorgen vor Stellenabbau, möglichen Studio-Schließungen und einer härteren Ausrichtung auf Profitabilität. Für viele Teams dürfte diese Nachricht deshalb mehr sein als eine normale Personalie.

Was passiert ist

Craig Duncan und Louise O’Connor zählen zu den erfahrenen Namen im Xbox-Umfeld. Beide waren über lange Zeit mit Rare verbunden. Duncan kam 2011 zu Rare und führte das Studio über mehr als zehn Jahre. In diese Zeit fielen sehr unterschiedliche Phasen, von Kinect Sports bis zum großen Erfolg von Sea of Thieves.

O’Connor arbeitete seit 1999 bei Rare, zunächst als Animator an Conker’s Bad Fur Day. Später war O’Connor unter anderem mit Everwild verbunden, dem inzwischen eingestellten Fantasy-RPG-Projekt des Studios.

Nach den Abgängen sollen die Führungskräfte der Xbox Game Studios vorerst direkt an Matt Booty berichten, den Chief Content Officer von Xbox.

Warum der Zeitpunkt auffällt

Personalwechsel passieren in großen Unternehmen ständig. In diesem Fall ist der Rahmen aber wichtig. Die Xbox-Sparte steht laut den vorliegenden Informationen unter Druck, ihre Bilanz zu verbessern. Aussagen von Asha Sharma, der neuen Xbox-Chefin, wurden bereits als Warnsignal für mögliche Einschnitte verstanden.

Ein weiterer Bericht deutete darauf hin, dass Entlassungen schon im kommenden Monat möglich sein könnten. Bestätigt ist das damit nicht, aber die Unruhe ist nachvollziehbar. Wenn zwei erfahrene Führungskräfte gerade in so einer Phase gehen, liest sich das für viele Beschäftigte und Fans nicht wie ein isolierter Vorgang.

Welche Studios im Fokus stehen

Besonders groß ist die Sorge um kleinere oder zuletzt weniger präsente Teams innerhalb der Xbox Game Studios. Genannt werden unter anderem Compulsion Games, das Studio hinter South of Midnight, Double Fine mit Projekten wie Kiln und Keeper sowie die bereits verkleinerten Turn 10 Studios.

Das heißt nicht automatisch, dass diese Teams vor dem Aus stehen. Es zeigt aber, wo die Nervosität sitzt. Studios, die für Vielfalt, kreative Handschrift oder Markenpflege wichtig sind, lassen sich nicht immer leicht an einer kurzfristigen Bilanz messen.

Genau hier liegt der Konflikt, den Xbox seit Jahren mit sich herumträgt: Ein Abo-Modell wie der Game Pass braucht Breite, Wiedererkennungswert und regelmäßig neue Spiele. Gleichzeitig wächst der Druck, dass jedes Team klar zum Geschäftsergebnis beiträgt.

Was das für Spieler bedeutet

Für Spieler ändert sich heute erst einmal nichts Konkretes. Kein Spiel wurde in diesem Zusammenhang gestrichen, kein Studio offiziell geschlossen, kein neues Geschäftsmodell angekündigt.

Trotzdem lohnt es sich, diese Entwicklung ernst zu nehmen. Die Xbox Game Studios sind nicht nur eine Sammlung großer Marken. Sie bestehen auch aus Teams, die experimentellere Spiele möglich machen. Wenn der wirtschaftliche Druck steigt, geraten solche Projekte meist früher unter Beobachtung als sichere Blockbuster.

Analysten halten neben Studio-Schließungen auch werbefinanzierte Varianten des Xbox Game Pass für möglich. Das ist aktuell keine bestätigte Produktankündigung. Es passt aber zu einer Debatte, die Xbox schon länger begleitet: Wie wächst der Game Pass weiter, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen?

Ein Führungswechsel mit Signalwirkung

Duncan hatte die Leitung der Xbox Game Studios erst vor rund 20 Monaten übernommen. Sein Abschied nach vergleichsweise kurzer Zeit an dieser Stelle wirkt deshalb besonders deutlich. O’Connor wiederum stand für lange Rare-Erfahrung und Studio-Nähe.

Microsoft muss nun zeigen, ob dieser Wechsel sauber aufgefangen wird. Für die Teams wird entscheidend sein, ob Matt Booty und die übrige Xbox-Führung schnell Klarheit schaffen. In einer Lage, in der ohnehin über Einschnitte gesprochen wird, ist Stille selten beruhigend.

Für Xbox ist das keine kleine Randnotiz. Es ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die nächste Phase der Plattform weniger von großen Übernahmen geprägt sein dürfte und stärker von der Frage, wie viel Vielfalt sich die eigene Studiostruktur noch leisten soll.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.