Clive Barker’s Hellraiser: Revival wirkt nicht wie ein kleiner Lizenzversuch am Rand. Der aktuelle Demo-Eindruck beschreibt ein Horror-Action-Spiel, das klar auf moderne Survival-Horror-Strukturen setzt und sie mit der kranken Bildsprache der Filmreihe verbindet.
Wichtig ist dabei: Das wird kein harmloser Gruselabend. Die gezeigten Szenen drehen sich um Body-Horror, Gewalt, eine belastete Beziehung, sexuelle Themen und die Cenobiten. Wer Hellraiser kennt, dürfte genau damit rechnen. Wer nur ein paar Jump-Scares sucht, sollte genauer hinsehen.
Aidan sucht Sunny, und das Spiel meint es ernst
Im Mittelpunkt steht Aidan. Seine Freundin Sunny wurde von den Cenobiten ihrer Seele beraubt. Die Demo zeigte ihn auf der Suche nach ihr, zwischen realen Orten, Erinnerungsfetzen und direkten Höllenbildern.
Die Beziehung der beiden wird nicht weichgezeichnet. Es geht um Intensität, BDSM und das, was Sunny durch die Cenobiten erleiden musste. Das passt grundsätzlich zur Vorlage, verlangt aber auch ein Spiel, das mit solchen Themen sicher umgehen kann. Nach dem bisherigen Eindruck scheint Revival nicht vor dem Stoff wegzulaufen.
Resident Evil als klare Spielsprache
Ein Teil der Demo spielte in einem Theater oder museumartigen Gebäude, das als Hauptquartier eines gewalttätigen Sexkults diente. Das klingt nach Hellraiser, spielt sich aber in vielen Momenten eher wie klassischer moderner Survival-Horror.
Du suchst Waffen und Munition, löst Umgebungsrätsel und musst dein Inventar im Blick behalten. Kultisten verfolgen Aidan und tauchen auch in Momenten auf, in denen man nicht ganz sicher ist, ob gerade Ruhe herrscht. Die Perspektive ist Ego, das Tempo beim Schießen eher gemächlich.
Waffen sind nicht das Erste, was man mit Hellraiser verbindet. Für ein Videospiel ist der Ansatz aber nachvollziehbar. Entscheidend wird sein, ob die Kämpfe im fertigen Spiel mehr sind als Pflichtprogramm zwischen den stärkeren Horrorszenen.
Die Genesis-Konfiguration ist mehr als ein Schlüssel
Ein wichtiger spielerischer Kniff ist die Genesis-Konfiguration. Aidan hält diese Puzzlebox in der Nebenhand. In der Demo erlaubte sie telekinetische Aktionen, etwa das Herausreißen von Ventilatoren, Brettern oder das Nutzen einer brennenden Fackel gegen Gegner.
Das ist keine völlig neue Idee. Es kann aber funktionieren, wenn die Umgebung genug Möglichkeiten bietet. Interessant ist vor allem, dass die Box nicht nur als Symbol oder Türöffner dient, sondern aktiv in Kämpfe und Erkundung eingebaut wird.
Wenn das Haus zur Schleife wird
Der stärkere Teil scheint die Verschiebung in Aidans Alptraum zu sein. Die Demo führte in sein Haus, durch dunkle Flure, Treppen und Türen, die sich wiederholen. Der Einfluss von P.T. ist hier klar erkennbar.
Der Ablauf verändert sich erst, wenn bestimmte Dinge erledigt werden. Genannt wurden unter anderem Nachrichten auf einem alten Nokia-Handy, ein Drucker mit einem verstörenden Bild von Sunny und eine Schranktür, die in einen Raum mit hängenden Ketten führt.
Solche Szenen können schnell billig wirken, wenn sie nur auf Wiederholung setzen. Bei Hellraiser: Revival scheint gerade diese Wiederholung aber gut zur übernatürlichen Seite der Marke zu passen. Die Hölle ist hier kein Level mit Lava, sondern ein Zustand, der den Raum kaputtmacht.
Das Labyrinth wird zum Rätselraum
Später öffnet sich eine Tür zum Labyrinth, jener extradimensionalen Höllenlandschaft der Cenobiten. Dort nutzt Aidan die Genesis-Konfiguration, um Teile der Umgebung zu bewegen.
Die beschriebenen Rätsel funktionieren wie ein geordneter Wegbau. Wände und Böden verschieben sich, bis ein neuer Pfad entsteht. Das klingt nicht nach einem System, das das Genre neu sortiert. Es kann aber das Tempo sinnvoll brechen, wenn Kämpfe, Erkundung und psychologischer Horror sauber wechseln.
Was Hellraiser-Fans beachten sollten
Für Fans der Reihe gibt es zwei wichtige Punkte: Doug Bradley spricht Pinhead, und Clive Barker war laut Team als Berater beteiligt. Das ist keine Garantie für ein starkes Spiel, aber es zeigt, dass Revival nicht nur mit einem bekannten Namen arbeiten will.
Die Kampagne soll etwa acht bis zehn Stunden dauern. Erscheinen soll Clive Barker’s Hellraiser: Revival am 8. Oktober für PlayStation, Xbox und PC.
Mein Eindruck aus den bekannten Demo-Details: Revival schaut sehr bewusst auf Resident Evil und P.T., versteckt diese Einflüsse aber nicht. Wenn die fertige Version ihre schweren Themen sauber trägt und die Action nicht zu gewöhnlich wird, könnte daraus ein harter, eigenständiger Beitrag zum Horrorjahr werden.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
