Denshattack! nimmt eine Idee, die eigentlich nicht funktionieren dürfte, und zieht sie konsequent durch: Ein Zug rast mit enormem Tempo durch ein futuristisches Japan, springt über Abgründe, fährt an Wänden entlang und sammelt Tricks. Das Ergebnis ist kein klassisches Rennspiel, sondern ein Arcade-Spiel mit viel Timing, Reaktion und einem klaren eigenen Stil.
Der Einstieg verlangt Geduld. Strecken, Anzeigen und Effekte treffen gleichzeitig aufeinander, während der Zug weiter beschleunigt. Wer dieses visuelle Chaos lesen lernt, bekommt jedoch einen sehr direkten Spielfluss, der selten geworden ist.
Fahren, reagieren, Tricks verbinden
Die Kernaufgabe bleibt immer klar: auf den Gleisen bleiben. Kurven wollen früh erkannt, Hindernisse umfahren und Abzweigungen im richtigen Moment gewählt werden. Bremsen, Driften und Spurwechsel sind bei hohem Tempo keine Nebensache, sondern die Grundlage jeder gelungenen Fahrt.
Dazu kommt das Tricksystem. In Sprüngen und auf besonderen Schienen werden mit dem rechten Stick Manöver ausgelöst. Landungen erfordern Balance, und saubere Folgen aus Sprüngen, Grinds, Wallrides und Fahrten an Tunneldecken bauen lange Kombos auf. Belohnungen öffnen dabei zusätzliche Routen und machen riskante Fahrten attraktiv.
Das Spiel führt schrittweise weitere Möglichkeiten ein. Windböen verlängern Sprünge, ein Dachhaken erlaubt den Wechsel auf Hängebahn-Schienen, und parallele Gleise werden zeitweise zur Driftfläche. Diese Ideen sorgen dafür, dass die über 60 Strecken nicht früh nach demselben Muster aussehen.
Ein hoher Anspruch, aber sinnvolle Hilfen
Denshattack! ist hektisch und fordert gerade zu Beginn eine gewisse Frustrationstoleranz. Bei bis zu 500 km/h wirken Fehler schnell endgültig. Die Strecken bleiben aber lesbar: befahrbare Gleise leuchten deutlich, Abzweigungen sind groß markiert und wichtige Signale fallen auch im Augenwinkel auf.
Hilfreich sind die umfangreichen Optionen. Tasten lassen sich frei belegen, Kontrast und Farbenblindheit können angepasst werden. Auch Screen Shake, Blitze und Kamerawackler dürfen reduziert oder abgeschaltet werden. Audiohinweise erscheinen zusätzlich visuell. Tutorials, Trick-Lexikon und Ziele bleiben jederzeit erreichbar. Das macht den fordernden Kern nicht leichter, aber nachvollziehbarer.
Japanische Reise mit rebellischem Kern
Die Handlung begleitet die 19-jährige Emi Araki. Sie liefert zunächst mit einem alten Zug Ramen aus und gerät anschließend in einen landesweiten Wettbewerb. Im Hintergrund steht ein Japan nach einer Klimakatastrophe: Der Konzern Miraid schützt die reichen Metropolen unter Kuppeln, während viele ländliche Regionen mit alter Infrastruktur zurückbleiben.
Die Geschichte setzt auf eine positive Rebellion statt auf reine Düsternis. Emi bringt Menschen aus unterschiedlichen Regionen und Gruppen zusammen. Das bleibt verständlich erzählt und wird durch ruhigere Szenen ergänzt. Die Reise durch acht Regionen und 46 Präfekturen gibt dem Ganzen zudem ein gutes Gefühl für Ortswechsel und Distanz.
Auf der Strecke dreht Denshattack! dann wieder voll auf. Einstürzende Gebäude, Vulkanausbrüche, Rennen gegen andere Züge und mehrphasige Bosse bringen ständig neue Aufgaben. Besonders stark ist, dass diese Spektakel nicht nur Kulisse sind: Sie verändern Wege, verlangen Ausweichmanöver und halten den Druck hoch.
Knallige Optik, klarer Kurs
Cel-Shading, Neonfarben und große Schrift-Effekte geben dem Spiel einen auffälligen Look. Aus der Nähe zeigen sich zwar einfache Low-Poly-Objekte, bei den schnellen Fahrten helfen sie aber der Weitsicht und der stabilen Darstellung. Entscheidend ist: Trotz der vielen Farben bleibt meist erkennbar, wohin die Fahrt geht.
Die freischaltbaren Zugmodelle bringen mehr als bloße Optik. Über 30 Varianten unterscheiden sich bei Absprungenergie, Stabilität, Höchstgeschwindigkeit und Punktepotenzial. Wer eine Strecke besser kennt, kann dadurch gezielter auswählen. Sticker und Lackierungen ergänzen das Sammeln mit Ingame-Währung.
Musik als Antrieb
Der Soundtrack mit rund 80 Tracks ist ein großer Grund, warum Denshattack! so gut im Kopf bleibt. Breakbeats, Punk, J-Pop, Hip-Hop und schnelle Elektro-Stücke wechseln passend zu den jeweiligen Strecken und Bossen. Die Musik läuft nicht einfach nebenher, sondern verstärkt Tempo, Risiko und Stimmung jeder Aufgabe.
Mit Beiträgen unter anderem von Tee Lopes, Shoji Meguro, Richard Jacques, 2 Mello, Harumi Fujita und Kohta Takahashi ist die Auswahl breit. Auch die japanische Sprachausgabe unterstützt den Anime-Ton der Geschichte. Untertitel mitten in einer extrem schnellen Passage zu verfolgen, bleibt allerdings schwierig.
Für wen sich die Fahrt lohnt
Denshattack! ist kein Spiel für ruhige Runden oder entspannte Perfektionisten. Wer bei hoher Geschwindigkeit, vielen Effekten und wiederholten Versuchen schnell genervt ist, wird vermutlich nicht warm damit. Wer dagegen Arcade-Spiele mag, die klare Reaktionen belohnen und ständig neue Ideen auf die Strecke werfen, bekommt hier eine ungewöhnlich dichte Fahrt.
Wertung: Denshattack! überzeugt mit präzisem Hochgeschwindigkeits-Gameplay, abwechslungsreichen Strecken und einem Soundtrack, der das Geschehen spürbar trägt. Die steile Lernkurve und die visuelle Überladung am Anfang kosten Zugänglichkeit. Danach entwickelt sich das Spiel aber zu einer der eigenständigsten Arcade-Erfahrungen des Jahres.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
