Der Arbeitskonflikt bei Rockstar Games bekommt kurz vor dem geplanten GTA-6-Start eine ungewöhnliche Wendung: Entlassene Beschäftigte raten Fans ausdrücklich davon ab, das Spiel aus Solidarität zu boykottieren.
Ihre Bitte lautet stattdessen, den laufenden Rechtsstreit finanziell über eigens angebotene T-Shirts zu unterstützen. Damit soll die Aufmerksamkeit auf die Entlassungen und auf die Gewerkschaftsfrage bei Rockstar gerichtet bleiben, ohne Spielerinnen und Spieler zum Verzicht auf GTA 6 aufzurufen.
34 Entlassungen stehen im Mittelpunkt
Ende des vergangenen Jahres verloren 34 Rockstar-Beschäftigte ihre Stellen, 31 in Großbritannien und drei in Kanada. Danach kam es zu Protesten vor Rockstar North in Edinburgh sowie vor dem Londoner Büro der Muttergesellschaft Take-Two.
Rockstar begründet die Kündigungen mit der mutmaßlichen Weitergabe vertraulicher Informationen über unangekündigte Spiele und GTA 6 in Discord. Nach Darstellung des Unternehmens betrafen die Inhalte unter anderem Spielmechaniken, Entwicklungsfortschritt, Zeitpläne und interne Sicherheitsabläufe. Einen Zusammenhang mit gewerkschaftlicher Organisierung weist Rockstar zurück.
Die Betroffenen und die Independent Workers’ Union of Great Britain sehen den Fall anders und kämpfen gegen die Entlassungen. Die abschließende Anhörung soll im September in Glasgow beginnen.
Warum kein Boykott gefordert wird
Ein Boykott eines der erwartbar größten Spiele des Jahres wäre vor allem ein symbolischer Schritt. Die früheren Beschäftigten wollen ihre eigene Arbeit an GTA 6 offenbar nicht gegen sich selbst wenden. Sie haben nach eigener Aussage Jahre in das Projekt investiert und möchten, dass Fans das Spiel spielen können.
Der praktische Fokus liegt deshalb auf Rechtshilfe und öffentlichem Druck. Wer die Forderungen der Entlassenen unterstützen will, soll nach ihrem Wunsch Geld für ihre T-Shirt-Aktion ausgeben. Der Aufruf verbindet damit zwei Ziele: Unterstützung für das Verfahren und Sichtbarkeit für Arbeitnehmerrechte in der Spielebranche.
Gewerkschaftsanerkennung bleibt ein separates Thema
Bereits im Juni beantragten Rockstar-Entwicklerinnen und -Entwickler die freiwillige Anerkennung der IWGB Game Workers Union. Die Gewerkschaft erklärt, sie vertrete einen erheblichen Teil der Belegschaft an mehreren britischen Standorten, darunter Edinburgh, Dundee, Leeds, Lincoln und London.
Eine offizielle Anerkennung würde formelle Tarifverhandlungen ermöglichen. Im Raum stehen dabei Themen wie Lohntransparenz, flexible Arbeitszeiten und der Umgang mit übermäßigen Überstunden, oft als Crunch bezeichnet.
Rockstar erklärte zuvor, man wolle einen offenen und konstruktiven Austausch führen und ein Treffen mit der Gewerkschaft vereinbaren. Sollte das Unternehmen eine freiwillige Anerkennung ablehnen, könnte die IWGB eine gesetzliche Anerkennung beantragen.
Ein Konflikt, der über GTA 6 hinausgeht
Für Fans ist die Lage klarer, als es ein Boykottaufruf gewesen wäre: Die Betroffenen bitten nicht darum, GTA 6 liegen zu lassen. Sie wollen Unterstützung für ihren konkreten Rechtsstreit und für eine stärkere Vertretung von Beschäftigten.
Gleichzeitig bleibt der Kern des Falls ungeklärt. Rockstar spricht von gravierenden Verstößen gegen die Vertraulichkeit, die Gegenseite von einem Konflikt um Organisierung und Rechte am Arbeitsplatz. Die Anhörung im September dürfte entscheidend dafür werden, welche Darstellung rechtlich Gewicht bekommt.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
