FromSoftware verlässt mit The Duskbloods einen vertrauten Pfad. Statt einer klassischen Solo-Reise steht ein PvPvE-Wettkampf im Mittelpunkt: Acht Personen sammeln in rund 25 Minuten Punkte, verbessern ihre Figuren und kämpfen um den Einzug ins Finale.
Der Hands-on-Eindruck aus einer zweitägigen Spielsitzung zeigt ein ungewöhnlich durchdachtes System. Es belohnt direkte Duelle, lässt aber ebenso Raum für Spieler, die lieber Gegner der Spielwelt und Bosse jagen. Das könnte entscheidend sein, damit die Runden nicht nur für PvP-Spezialisten funktionieren.
Drei Tage, acht Spieler, ein Finale
Jede Partie von The Duskbloods besteht aus drei Spieltagen. Zu Beginn wählen die acht Teilnehmer eine Klasse und einen Ausgangspunkt. Die tatsächliche Position innerhalb des Startbereichs wird zufällig festgelegt. Danach zählt vor allem eine Ressource namens Virtue.
Virtue gibt es unter anderem für besiegte Spieler, gefundene Flammen, Beute, normale Gegner und große Bosse. Die Punkte sind mehr als eine Ranglistenwährung: Wer viel Virtue sammelt, startet stärker ins Endspiel und erhält dort mehr Lebenspunkte sowie Durchschlagskraft.
Nach dem ersten Tag bleibt das gesamte Feld im Rennen. Am zweiten Tag scheiden die zwei schwächsten Teilnehmer nach Virtue aus. Nach Tag drei kämpfen die letzten drei entweder in einer kleinen Arena gegeneinander oder treten gemeinsam gegen einen großen Boss an. Welche Variante bevorzugt wird, lässt sich bei der Klassenwahl angeben.
Nicht nur Kills entscheiden
Die auffälligste Stärke des Konzepts liegt in seinen unterschiedlichen Wegen zum Erfolg. Wer nur stumpf kleine Gegner besiegt und dabei schnell im Level steigt, muss nicht automatisch genug Virtue für die nächste Phase haben. Kartenkenntnis, das richtige Timing und ein Blick auf die Punktelage sind mindestens genauso wichtig.
Gegen Ende des zweiten und dritten Tages bündeln spezielle Ereignisse die Spieler in einem umkämpften Bereich. Ein roter Kristall steigert die Belohnung für besiegte Gegner. Ein gelber Kristall zahlt sich aus, wenn ein Turm erobert und gehalten wird. Damit entstehen Situationen, in denen mehrere Spieler und ihre beschworenen Begleiter gleichzeitig aufeinandertreffen.
Wer Konflikte meiden möchte, kann währenddessen weiter PvE-Inhalte angehen. Bosse liefern ebenfalls reichlich Virtue. Der vorliegende Eindruck spricht deshalb dafür, dass vorsichtiges Spielen nicht nur eine Notlösung ist. Es kann ein sinnvoller Weg zum Finale sein.
Sechs Klassen, klare Rollen
Im Test standen sechs vorgegebene Klassen zur Verfügung. Anpassungen waren noch nicht möglich, da die Server-Session offenbar vor allem Daten für die weitere Entwicklung liefern sollte. Im fertigen Spiel sollen die Figuren anpassbar sein.
Schon die vorhandenen Klassen setzen deutliche Akzente. Jan bewegt sich leichtfüßig und kann mit einem Sprintangriff große Distanzen überbrücken. Eine schwere Figur im Taucheranzug ist langsamer, teilt dafür aber kräftig aus. Layla arbeitet mit einem Scharfschützengewehr, das sowohl präzise Treffer als auch schnellere Schüsse erlaubt. Weitere Figuren reichen von einer unsichtbar werdenden Schwertkämpferin bis zu einem Geistlichen, der sich verwandeln kann.
Jede Klasse besitzt Nah- und Fernkampfoptionen oder Magie sowie die Möglichkeit, einen Begleiter zu rufen. Das sorgt gerade bei den Event-Zonen für unübersichtliche, aber offenbar gut lesbare Kämpfe. Entscheidend wird sein, wie ausgewogen die Rollen nach der Öffnung des Spiels tatsächlich bleiben.
Eine Welt für Rivalitäten und kleine Geschichten
The Duskbloods setzt nicht allein auf den Sieg am Ende. Weil Spieler sich über mehrere Tage einer Runde wiederholt begegnen, können sich persönliche Rivalitäten entwickeln. Ein Angriff beim Bosskampf kann später eine gezielte Verfolgung auslösen. Diese kleinen Geschichten passen gut zu einem Mehrspielerformat, das mehr sein will als eine bloße Serie isolierter Duelle.
Zusätzliche Aufträge sollen diese Begegnungen weiter beeinflussen. Als Beispiele wurden Jagdaufgaben und sogar eine Heirat mit einem anderen Spieler genannt. Das System wirkte im frühen Test noch schwierig umzusetzen, weil viele Begegnungen sofort in Kämpfe kippten. Denkbar sind Anpassungen: Für abgebrochene Heiratsanträge steht etwa eine alternative Aufgabe im Raum, bei der der frühere Verlobte ausgeschaltet werden soll.
Die Hintergrundgeschichte soll über Dialoge, Gegenstände und eine zentrale Hub-Welt vermittelt werden. Von dieser Hub-Zone war in der Session noch nichts zu sehen. Auch die Figuren selbst wecken aber bereits Fragen, denn ihre auffällige Gestaltung scheint eng mit ihren Fähigkeiten verbunden zu sein.
Switch 2 als einzige Plattform
The Duskbloods erscheint ausschließlich für Nintendo Switch 2. Der Hands-on-Eindruck bezieht sich auf den angedockten Betrieb. Dort lief das Spiel laut Bericht stabil mit 60 Bildern pro Sekunde und reagierte in den PvP-Kämpfen sehr direkt.
Das ist für dieses Projekt besonders wichtig. Frühere PvP-Begegnungen in FromSoftware-Spielen konnten sich wegen der Netzwerkverbindung mitunter unfair anfühlen. Hier soll dieser Eindruck ausgeblieben sein. Zum Handheld-Modus liegen aus der Spielsitzung keine belastbaren Angaben vor.
Gespielt wurde auf einer Karte mit Kanalisation, Straßen einer gotischen Stadt und einer großen Kathedrale. Zum Start sollen drei vollständige Karten verfügbar sein. Ob die spätere Vielfalt bei Figuren, Karten und Aufgaben langfristig trägt, lässt sich nach einer einzelnen Testumgebung naturgemäß noch nicht abschließend beurteilen.
Erster Eindruck
The Duskbloods wirkt nicht wie ein Versuch, bekannte FromSoftware-Kämpfe einfach in ein Battle-Royale-Schema zu pressen. Virtue, Bossjagden, Klassenfähigkeiten und die Finalstruktur greifen ineinander. Besonders überzeugend ist der Ansatz, PvP nicht zur einzigen sinnvollen Tätigkeit zu machen.
Die Regeln verlangen Einarbeitung, und genau darin liegt auch ein Risiko. Wer die Punktemechanik ignoriert, kann trotz vieler besiegter Gegner früh ausscheiden. Wenn das Spiel seine Systeme verständlich vermittelt und die unterschiedlichen Taktiken fair hält, könnte The Duskbloods auf Switch 2 eine sehr eigene Mehrspieler-Nische besetzen.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
