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Review

Grand Theft Auto im Rückblick: Freiheit vor Komfort

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Das erste Grand Theft Auto wirkt heute wie ein Spiel aus einer anderen Denkweise. Die Draufsicht, die wenigen Leben und der Fokus auf Punkte passen kaum zu der Reihe, die später mit großen Figuren und aufwendigen Geschichten bekannt wurde. Gerade deshalb bleibt dieser 1997 veröffentlichte Auftakt interessant.

Der Klassiker verlangt viel Geduld. Seine Steuerung ist rau, Kämpfe sind unerquicklich und Zeitlimits können ohne gute Ortskenntnis hart zuschlagen. Gleichzeitig steckt hier bereits die entscheidende Idee der Serie: Eine Stadt ist nicht nur Kulisse für Missionen, sondern ein Ort, an dem Spielerinnen und Spieler selbst Chaos, Tempo und Richtung bestimmen.

Freiheit ist hier wichtiger als die Geschichte

Eine ausgearbeitete Handlung sollte niemand erwarten. Die Zwischensequenzen nehmen insgesamt nur ungefähr 90 Sekunden ein und liefern vor allem knappe Aufträge, Drohungen und kriminelle Klischees. GTA erzählt nicht viel. Es gibt stattdessen ein klares Arcade-Gerüst: Aufträge erledigen, Punkte sammeln und mit einer begrenzten Zahl an Leben weiterkommen.

Das klingt nach engem Korsett, doch die Städte öffnen sich überraschend weit. Liberty City, Vice City und San Andreas lassen sich in eigener Reihenfolge erkunden. Fahrzeuge können gestohlen, Missionen aufgeschoben oder komplett ignoriert werden. Wer will, fährt einfach durch die Stadt, legt sich mit der Polizei an und probiert aus, wie lange das eigene Chaos gutgeht.

Nach heutigen Maßstäben sind die drei Karten klein, die Waffenpalette überschaubar. Für seine Zeit war dieser Handlungsspielraum aber ein wichtiger Schritt. GTA setzte nicht auf eine perfekt geführte Tour, sondern auf Situationen, die aus den eigenen Entscheidungen entstehen.

Fahren macht Spaß, zu Fuß wird es mühsam

Der Kern des Spiels liegt klar hinter dem Lenkrad. Die Top-Down-Perspektive verlangt Umdenken: Links bleibt links, auch wenn ein Wagen auf den Bildschirm zufährt. Wer ähnliche Rennspiele aus den 90ern kennt, findet sich vermutlich schneller zurecht. Neue Spielerinnen und Spieler müssen sich erst an diese Logik gewöhnen.

Die Kamera verschärft das Problem. Sie zoomt beim Tempo teils ruckartig, andere Autos tauchen spät auf und besonders schnelle Wagen lassen wenig Zeit zum Reagieren. Motorräder kosten nach Stürzen zusätzlich Nerven. Dennoch haben die Fahrzeuge Gewicht und Eigenheiten genug, damit Verfolgungsjagden und riskante Fluchten ihren Reiz behalten.

Deutlich schlechter funktioniert alles zu Fuß. Die Figur dreht sich nur nach links oder rechts und bewegt sich vor oder zurück. Präzises Zielen ist damit schwierig, während einzelne Treffer bereits tödlich sein können. Rüstung hält nur wenige Treffer ab. Besonders im Kampf gegen verfolgende Polizisten wird das zur Geduldsprobe, weil das Umdrehen kostbare Sekunden kostet.

Ohne Karte wird Planung zur Pflicht

Eine Karte im Spiel gibt es nicht. Bei Missionen mit engem Zeitlimit wird Ortskenntnis damit fast ebenso wichtig wie Fahrgefühl. Wer den Weg zu einem benötigten Laden nicht kennt, verliert schnell Zeit. Papierkarten waren damals nicht bloß Beigabe, sondern praktische Hilfe.

Das macht GTA unbequem, aber auch eigenständig. Moderne offene Welten markieren fast jeden Schritt. Der Erstling erwartet dagegen, dass man Wege lernt, Fehler macht und sich an Stadtteile erinnert. Das ist kein Komfortmerkmal, aber ein Stück Designgeschichte, das man heute selten noch so direkt erlebt.

Autos, Radio und alberne Gewalt

Optisch ist GTA klar gealtert. Die Fahrzeuge und Passanten bestehen aus flachen Sprites, während die Städte selbst dreidimensional gerendert sind. Gerade bei den Autos zeigt sich aber viel Liebe zur Unterscheidbarkeit. Käferartige Kleinwagen, kantige Limousinen und Sportwagen sind trotz ihrer geringen Größe gut zu erkennen. Jede Stadt besitzt außerdem eigene Polizeiwagen, Lackierungen und Sirenen.

Das Radio gehört zu den stärksten Teilen des Spiels. Mehrere Sender mit unterschiedlicher Musik geben den Fahrten Charakter, und viele Stücke bleiben im Ohr. Die Musik war sogar über die PlayStation-Disc in einem normalen CD-Player abspielbar. Für ein Spiel dieser Zeit war das ein prägender Teil der Atmosphäre.

Auch der Humor ist unverkennbar, allerdings nicht immer gut gealtert. Überzogene Unfälle und die bewusst plumpe Gewalt wurden schon damals kontrovers diskutiert. Durch die reduzierte Optik wirkt vieles heute eher albern als realistisch. Einige Inhalte bleiben dennoch deutlich härter und düsterer, als man sie aus späteren Serienteilen kennt.

Für wen sich der Rückblick lohnt

Grand Theft Auto ist kein bequemer Einstieg in die Seriengeschichte. Wer moderne Steuerung, klare Wegführung und faire Kämpfe erwartet, wird oft anecken. Cheats können manche Eskalation unterhaltsamer machen, ändern aber nichts an den grundlegenden Problemen bei Bewegung und Schusswechseln.

Für Fans der Reihe und für Retro-Spieler bleibt der erste Teil trotzdem sehenswert. Nicht, weil er heute noch so rund wäre wie seine Nachfolger, sondern weil er den entscheidenden Gedanken schon trägt: Gib den Leuten eine Stadt, Fahrzeuge und genug Freiraum, dann schreiben sie ihre eigenen kleinen Geschichten. Dafür braucht es hier allerdings Geduld, Präzision und am besten eine Karte neben dem Bildschirm.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.