Tides of Annihilation will sichtbar viel zugleich sein: düstere Artus-Motive, spektakuläre Action und ein Kampfsystem, das Fehler bestraft. Nach rund 30 Minuten in einer Gamescom-Demo ist vor allem klar: Die Mischung kann funktionieren.
Gespielt wurde eine frühe Mission in einem Museum, in der Gwendolyn nach einem Splitter des Heiligen Grals sucht. Zur Geschichte lässt sich daraus kaum etwas ableiten, denn Zwischensequenzen waren in der angespielten Fassung nicht verfügbar. Dafür zeigte die Demo recht deutlich, wo die größten Stärken und möglichen Baustellen liegen.
Ein enger Weg mit zu vielen Erklärungen
Der Abschnitt führt weitgehend linear durch das Museum. Kleine Geheimnisse und Truhen liegen abseits des Hauptwegs, doch gelbe Markierungen weisen meist deutlich die Richtung. Für eine erste Einführung ist das nachvollziehbar, weckt aber noch keine große Lust auf Erkundung.
Auch die Bewegung von Gwendolyn wirkte beim Springen nicht immer präzise genug. Entfernungen waren schwer einzuschätzen. Hinzu kamen viele Pop-ups, die neue Funktionen erklären. Ritter können etwa Seile spannen oder schwere Türen öffnen. Solche Hinweise sind sinnvoll, bremsten in der Demo aber wiederholt den Rhythmus. Entscheidend wird sein, ob das fertige Spiel diese Lernphase schneller hinter sich lässt und die Gebiete interessanter füllt.
Das Kampfsystem trägt die Demo
Sobald Gegner auftauchen, zieht Tides of Annihilation merklich an. Die Kämpfe sind schnell, Ausweichen ist unverzichtbar, und offene Momente beim Gegner müssen konsequent genutzt werden. Leichte Angriffe treffen auf Fähigkeiten der ausgerüsteten Ritter. Schon wenige Eingaben lösen auffällige Effekte aus, dennoch blieben gegnerische Angriffe in der Demo meist gut lesbar.
Das ist ein wichtiger Punkt. Trotz der vielen Partikel und Fähigkeiten entsteht nicht der Eindruck, Schaden komme zufällig zustande. Wer getroffen wird, hat oft zu lange angegriffen, einen Ausweichmoment verpasst oder eine Kombo schlecht eingeschätzt. Das passt gut zu den Soulslike-Anleihen, ohne dass der Kampf seine eigene, deutlich überdrehtere Note verliert.
Die Ritter sind mehr als Begleiter
Gwendolyn reist mit zwei Ritterpaaren, deren Zusammenstellung sich an Checkpoints ändern lässt. Dort gibt es außerdem Schnellreise und eine Auffrischung der Heiltränke. Die Wahl der Ritter soll nicht bloß optisch sein: Ihre Fähigkeiten können sich sinnvoll ergänzen. Das in der Demo vorgegebene Team griff gut ineinander, während eine eigene Zusammenstellung Begegnungen spürbar schwieriger machte.
Damit deutet sich ein System an, das Planung belohnt. Schilde, Zeitstopps, Distanzangriffe, Paraden und aufgeladene Attacken verlangen offenbar nach dem passenden Timing und der passenden Kombination. Wie viele Freiheiten das komplette Spiel tatsächlich bietet, muss sich allerdings erst noch zeigen.
Ein Bosskampf als klarer Höhepunkt
Der fast erreichte Bosskampf bestand aus drei Phasen und stellte Gwendolyn einer Figur mit ähnlichen Fähigkeiten gegenüber. Im Verlauf kamen immer größere Manöver zum Einsatz, bis hin zu einem beschworenen Drachen. Das ist bewusst überzogen, aber gerade deshalb passend zur Ausrichtung des Spiels.
Wichtiger als das Spektakel ist, dass der Kampf offenbar alle gezeigten Werkzeuge abfragt. Wer Schilde, Paraden, Ausweichbewegungen und Ritterfähigkeiten kombiniert, wird mit einem dynamischen Duell belohnt. Wenn Tides of Annihilation zwischen solchen Höhepunkten auch spannende Orte und abwechslungsreiche Aufgaben bietet, steckt in der Mischung viel Potenzial.
Der erste Eindruck
Die Gamescom-Demo liefert noch keine Antwort darauf, ob Handlung, Levelgestaltung und Erkundung das hohe Niveau der Kämpfe erreichen. Gerade die lineare Führung, die unpräzisen Sprünge und die vielen Erklärfenster fielen auf. Doch das Herzstück wirkt bereits erstaunlich stabil: schnelle, lesbare Action mit Raum für eigene Kombinationen. Für Action-Fans ist Tides of Annihilation damit ein Titel, den man im Blick behalten sollte.
Über den Autor
Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.