Grand Theft Auto 6 soll die bekannte Formel nicht neu erfinden, aber an vielen Stellen genauer machen. Im Mittelpunkt einer gezeigten Spielsequenz standen nicht allein große Missionen, sondern die Frage, wie glaubwürdig und folgenreich sich ein Streifzug durch Leonida anfühlt.
Die offene Welt wirkt laut der Vorführung deutlich dichter als frühere Serienteile. Passanten sollen Gespräche führen, auf Provokationen unterschiedlich reagieren und sich sogar in Konflikte einmischen. Damit rückt ein Punkt in den Vordergrund, den GTA bisher oft nur angerissen hat: Nicht jede Person auf der Straße reagiert gleich.
Jason und Lucia bleiben ein Team
Jason und Lucia können offenbar fast jederzeit gewechselt werden. Neu ist, dass beide auch gemeinsam durch die Welt ziehen und Überfälle als Paar angehen können. Ihre Beziehung lässt sich durch gemeinsame Aktivitäten, Nachrichten und kleine Interaktionen pflegen.
Das soll Auswirkungen auf den Verlauf ihrer Geschichte haben, ohne daraus eine Pflichtaufgabe zu machen. Wer die Paar-Mechaniken ignoriert, soll spielerisch nicht benachteiligt werden. Als Komplizen bleiben Jason und Lucia dennoch zusammen, auch wenn der persönliche Umgang zwischen ihnen anders ausfällt.
Praktisch wird das vor allem bei der Flucht: Die beiden können sich trennen, wenn die Polizei nach einem Paar sucht. Gerät einer von ihnen mit zufälligen Figuren aneinander, kann der andere offenbar eingreifen.
Polizei merkt sich mehr als nur Sterne
Das Fahndungssystem soll mehr Informationen berücksichtigen als bisher. Nach einem Verbrechen kann die Polizei laut Vorführung Beschreibungen der Figuren, ihrer Kleidung, des verwendeten Autos und ihrer gemeinsamen oder getrennten Flucht kennen. Kleidung wechseln, das Fahrzeug stehen lassen oder zu Fuß weiterfliehen könnte dadurch wichtiger werden.
Zusätzlich ist ein Kriminalprofil für Jason und Lucia vorgesehen. Es unterscheidet offenbar stärker zwischen einer Eskalation und Gegenwehr in einer bedrohlichen Situation. Konsequentes Verhalten soll beeinflussen, wie die Welt und die Geschichte auf die beiden reagieren. Eine moralisch richtige Spielweise soll es dabei ausdrücklich nicht geben.
Bemerkenswert ist, dass selbst kleine Handlungen in dieses Profil einfließen können. In der gezeigten Version wirkte etwa korrekt entsorgter Müll positiv. Auch Tiere füttern soll eine Option sein. Ob diese Details am Ende spürbare Folgen haben oder eher Atmosphäre schaffen, wird sich erst im fertigen Spiel zeigen.
Autodiebstahl wird nicht immer sofort klappen
Fahrzeuge sollen mehr Eigenheiten haben. Geparkte Autos können zu Beginn nicht automatisch zugänglich sein. Manche benötigen offenbar Werkzeuge, die erst im Verlauf der Geschichte verfügbar werden. Fahrer aus einem Wagen zu ziehen, bleibt dagegen weiterhin möglich.
Bei einzelnen Modellen kommen weitere Risiken hinzu. Eine elektronische Verriegelung kann einen Schlüsselkloner erfordern, ein Ortungssystem könnte eine schnelle Flucht nötig machen. Eine Scan-App auf dem Smartphone soll anzeigen, ob ein Fahrzeug entsprechend geschützt ist. Sie zeigt laut Vorführung außerdem einen möglichen Verkaufswert oder Kosten für eine Registrierung an.
Auch das Fahren selbst soll anspruchsvoller werden. Schmalere Straßen und dichter Verkehr könnten Verfolgungsjagden weniger berechenbar machen. Das passt zu dem Ansatz, dass ein schneller Wagen allein nicht jede Flucht löst.
Mehr Raum für Alltag, Satire und Ablenkungen
Die gezeigte Welt bietet Läden, Aktivitäten und zahlreiche Kartensymbole. Jason und Lucia können essen und trainieren, um Boni zu verwalten. Ihre Unterschlüpfe sollen stärker nutzbar sein als frühere GTA-Verstecke, etwa für Essen, Frisuren und gemeinsame Momente.
Die Seriensatire bleibt ebenfalls Teil des Konzepts. Soziale Medien sind vorhanden, und die beiden können durch Feeds scrollen, auch wenn sie selbst nichts veröffentlichen. Der Fokus soll dabei eher auf allgemeineren Beobachtungen liegen als auf kurzfristigen Memes oder sehr konkreten politischen Themen.
Ein großer Anspruch an die offene Welt
Die Vorführung zeichnet das Bild eines GTA, das seine Stärke stärker aus spontanen Situationen ziehen will. Die Missionen und die Flucht vor der Polizei bleiben wichtig. Interessant wird aber, ob Leonida wirklich dauerhaft so viele nachvollziehbare Reaktionen erzeugt, wie das gezeigte Material verspricht.
Genau dort liegt der hohe Anspruch von GTA 6: Die Welt darf nicht nur voll aussehen. Sie muss sich auch dann noch glaubwürdig verhalten, wenn Spielerinnen und Spieler anfangen, ihre Systeme auszureizen. Grand Theft Auto 6 soll am 19. November 2026 erscheinen.
Über den Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.
