Sea of Remnants will ein klassisches Runden-RPG nicht über Reaktionsfenster, sondern über seine Systeme und seine Stimmung tragen. Die auf der Gamescom gezeigte Demo setzt dabei auf Piraten, musikalische Angriffe und eine auffällige Inszenierung.
Der spielbare Abschnitt startet offenbar weit im Spiel: Eine vierköpfige Gruppe auf Stufe 20 steht bereit, erkundet eine Insel und trifft schließlich auf eine schlafende Meerjungfrau als Boss. Das reicht für einen ersten Eindruck, lässt aber viele Details des Fortschrittssystems noch offen.
Musik ist Teil des Kampfes
Der Kampf gegen die Meerjungfrau zeigt am deutlichsten, wohin Sea of Remnants will. Die Gegnerin singt während der gesamten Begegnung und ruft zwei Statuen zur Unterstützung. Auch die Fähigkeiten der Gruppe greifen musikalische Motive auf.
Besonders stark scheint der Wechsel in der Schlussphase zu sein: Bei kritischer Gesundheit des Bosses kippt die Musik in Metal, während das Bild von tiefen Rottönen geprägt wird. Das ist mehr als Hintergrundbeschallung. Musik und Liedtexte sollen offenbar direkt zur Dramaturgie der Kämpfe gehören.
Alte Schule mit Würfeln und vielen Folgeangriffen
Das Kampfsystem ist vollständig rundenbasiert. Zeitgenaue Paraden oder Ausweichmanöver gibt es in diesem Demoabschnitt nicht. Statt eines normalen Angriffs stehen pro Figur mehrere Fähigkeiten sowie Verteidigen zur Auswahl. Heilgegenstände waren im Kampf nicht sichtbar.
Die Demo erklärt ihre Mechaniken offenbar noch nicht gut genug. Angriffe lassen sich durch Würfeln verstärken, zudem lösen Fähigkeiten häufig Unterstützung durch weitere Gruppenmitglieder aus. Dadurch konnte die Gruppe mehrere Aktionen ausführen, bevor der Boss selbst wieder am Zug war. Das wirkt zunächst spektakulär, muss im fertigen Spiel aber verständlicher vermittelt und sauber ausbalanciert werden.
Schicke Kämpfe, unruhige Insel
Die Fähigkeiten sehen laut Demo-Eindruck sehr gut aus, ihre Animationen fallen allerdings lang aus. Wenn dieselben Sequenzen oft wiederholt werden, könnte das Tempo leiden. Eine verkürzte Animationsoption wäre für ein längeres Runden-RPG sinnvoll.
Außerhalb der Kämpfe hinterließ die Insel einen weniger sicheren Eindruck. Sammelobjekte deuten auf Herstellung und Heilung zwischen Gefechten hin, während Lagerfeuer im Demoablauf kaum nötig waren, weil die Gruppe nach Kämpfen geheilt wurde. Dazu kamen auf PC nachladende Texturen und flackernde Wolken.
Auch das Schiff fährt mit
Die Demo ließ zudem einen Abstecher zum eigenen Boot zu. Dort geriet die Gruppe schnell in ein Gefecht mit drei gegnerischen Schiffen. Damit zeichnet sich neben den Landkämpfen auch Seekampf ab. Ein bunter Kugelfisch löste außerdem ein Schießbuden-Minispiel aus.
Sea of Remnants hat nach diesem Messeauftritt eine klare Stärke: Seine Musikidee bleibt nicht bloß Dekoration, sondern prägt den wichtigsten Bosskampf sichtbar und hörbar. Bis zur angekündigten Veröffentlichung im nächsten Jahr muss das Spiel aber zeigen, dass offene Welt, Erklärungen und Kampftempo mit dieser starken Grundidee mithalten können.
Über den Autor
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