Zurück zu den News
Preview

James Pond Legacy: Retro-Agent mit Ecken und Save States

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

James Pond ist eine jener Reihen, die heute fast wie ein Fundstück aus einer anderen Spielezeit wirken. Der Fisch-Agent war einst eine auffällige Mischung aus Bond-Parodie, Plattformspiel und seltsamen Ideen. Mit James Pond Legacy: The Pond Is Not Enough kehren nun vier Titel der Serie in ihren damaligen Originalfassungen zurück.

Die Sammlung versucht nicht, die Spiele glattzubügeln oder neu zu erfinden. Das ist ihre größte Stärke, kann für Neulinge aber auch ihre größte Hürde sein. Moderne Hilfen wie Save States und Bildoptionen machen den Zugang leichter. Das alte Leveldesign bleibt trotzdem fordernd und teils kryptisch.

Vier Spiele, zwölf historische Fassungen

Enthalten sind James Pond: Underwater Agent, James Pond 2: RoboCod, The Aquatic Games Starring James Pond and the Aquabats sowie James Pond 3: Operation Starfish. Zusammen kommen zwölf Versionen für Amiga, Commodore 64, Mega Drive und Super Nintendo in die Collection.

Gerade diese Auswahl macht das Paket interessanter als eine bloße Wiederveröffentlichung der bekanntesten Teile. Wer die Amiga-Versionen kennt, kann etwa nachvollziehen, wie anders sich RoboCod auf dem Commodore 64 darstellt. Die technische Basis bleibt erkennbar, doch Bild und Umfang wirken auf der schwächeren Hardware deutlich reduziert.

Nicht dabei sind spätere Fassungen unter anderem für Game Boy, Game Boy Advance, PlayStation 2 oder Wii. Das ist schade, denn gerade Handheld-Umsetzungen hätten den Blick auf die Reihe noch erweitert. Der Fokus liegt klar auf den prägenden Versionen der frühen 90er.

Von Seifenblasen bis Magnetstiefeln

Der erste Teil setzt auf Agenten-Gags, Schlüssel, versteckte Bereiche und Gegner, die James Pond in Seifenblasen einsperrt. Auch Hilfsmittel wie die Sonnenbrille, mit der unsichtbare Quallen sichtbar werden, passen zu diesem verspielten Ansatz.

RoboCod ist der bekannteste Teil der Sammlung und bringt die zentrale Spezialfähigkeit der Reihe auf den Punkt: Im Robo-Anzug kann sich Pond senkrecht weit strecken, an Decken festhalten und neue Wege erreichen. Die Spielzeugfabrik am Nordpol liefert dazu eine ungewöhnliche Kulisse mit Spielzeug, Teddybären und Zugfahrten.

Operation Starfish geht noch stärker in Richtung großer Plattform-Abenteuer. Eine weitläufige Oberwelt, mehr als 100 miteinander verknüpfte Levels und geheime Ausgänge sorgen für viel Stoff. Raketenrucksack und Magnetstiefel, mit denen Pond an Wänden und Decken laufen kann, verändern das Tempo deutlich.

Der Außenseiter ist The Aquatic Games. Statt Plattform-Action gibt es sportliche Minispiele wie Hürdenlauf und Trampolinspringen, bei denen schnelles Tastendrücken wichtig ist. Als letztes offiziell veröffentlichtes Spiel für den Amiga 500 hat dieser Teil vor allem historischen Reiz.

Komfortfunktionen helfen, ersetzen aber keine Geduld

Die Spiele bleiben inhaltlich unangetastet. Dafür bietet die Collection Save States, verschiedene Bildformate, Bezels und Filter. Wer eine klare Pixelansicht bevorzugt, kann sie nutzen. Wer den Charakter alter Röhrenmonitore näher nachbilden möchte, greift zu CRT-Optik oder Scanlines.

Save States sind hier mehr als eine nette Beigabe. Die alten Spiele erklären ihre Ziele oft nur unvollständig. Ein Fehler oder ein verlorenes Leben konnte früher viel Fortschritt kosten. Heute lässt sich eine schwierige Passage erneut probieren, ohne eine längere Sitzung komplett zu verlieren.

Das macht James Pond nicht automatisch modern. Die Steuerung fühlt sich weniger direkt an als bei heutigen Retro-Plattformern. Einige Bildschirme wirken visuell unruhig, und versteckte Wege verlangen weiterhin Lust aufs Ausprobieren. Wer klare Aufgabenmarker und ständige Hinweise erwartet, wird sich umstellen müssen.

Das Pondverse liefert den nötigen Rahmen

Neben den Spielen ist mit dem Pondverse ein digitaler Museumsbereich geplant. Dort finden sich Informationen zu Figuren, Veröffentlichungen, Verpackungen und weiteren Materialien zur Geschichte der Serie. Die Inhalte werden über eine interaktive Übersicht erschlossen, nicht nur über eine einfache Titelliste.

Das passt gut zur Collection. James Pond muss 2026 nicht gegen aktuelle Plattformspiele antreten. Spannender ist die Frage, wie eine Reihe aussah, die auf unterschiedlichen Rechnern und Konsolen jeweils eigene Formen annahm. Die Sammlung macht diese Unterschiede sichtbar und bewahrt dabei auch die unbequemen Seiten der Originale.

Für wen die Collection interessant wird

  • Für Retro-Fans, die James Pond auf Amiga, Mega Drive oder Super Nintendo wiedersehen möchten.
  • Für Sammler, die mehrere Originalversionen direkt vergleichen wollen.
  • Für Spieler mit Geduld für alte Plattformmechaniken, geheime Wege und wenig Erklärung.
  • Weniger passend ist das Paket für alle, die ein modernes, sehr präzises Plattformspiel erwarten.

Der erste Eindruck ist deshalb positiv, aber klar eingeordnet: James Pond Legacy lebt von Erinnerung, Eigenwilligkeit und Erhaltungsarbeit. Save States und das Pondverse schaffen einen vernünftigen Rahmen. Die Spiele selbst dürfen dabei kantig bleiben, denn genau das gehört zu ihrer Geschichte.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.