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Review

Marvel’s Wolverine im Test: Harte Kämpfe, schwache Abwechslung

Sascha
  • 1 Min. Lesezeit

Marvel’s Wolverine macht keine halben Sachen, wenn es um seine Hauptfigur geht. Logan kämpft brutal, Gegner werden sichtbar zugerichtet, und die düstere Stimmung passt zu einem Helden, der selten um freundliche Lösungen bemüht ist.

Spielerisch liefert Insomniac ein anspruchsvolles Actionspiel mit starken Bosskämpfen. Gleichzeitig setzt das Abenteuer sehr oft auf dieselbe Antwort: kämpfen. Das trägt eine Weile, nutzt sich über die Spielzeit aber spürbar ab.

Eine Geschichte mit guten Szenen, aber unruhigem Fundament

Zu Beginn gehört Wolverine nicht zu den X-Men, sondern zu Team X. Neben ihm stehen Sabretooth und Mystique, während Nathaniel Essex die Gruppe anführt. Die Rettung von Essex aus den Händen von Bolivar Trask setzt die Handlung in Gang.

Diese Konstellation dürfte Marvel-Kenner irritieren. Bekannte Elemente aus Logans Vergangenheit tauchen zwar auf, ergeben zusammen aber kein besonders geschlossenes Bild. Japan, Gedächtnisverlust und Logans Wut gehören zur Figur, wirken hier jedoch eher wie einzelne Stationen als wie ein klar aufgebauter Weg.

Deutlich besser funktioniert die Beziehung zwischen Logan und Jean Grey. Ihre gemeinsamen Szenen bringen die nötige Tragik und gehören zu den stärksten Momenten der Handlung. Wer ohne großes Vorwissen einsteigt, wird die ungewöhnliche Zusammenstellung der Figuren vermutlich leichter akzeptieren.

Die Kämpfe fordern mehr als schnelles Drücken

Wolverine hält viel aus, ist aber nicht unverwundbar. Schon der Kampf gegen Omega Red macht klar, dass blindes Tastendrücken nicht reicht. Gegner greifen oft in Gruppen an, setzen Logan unter Druck und verlangen, dass Angriffe gelesen werden.

Das Kampfsystem unterscheidet zwischen blockbaren Attacken und Angriffen, denen du ausweichen musst. Reaver mit Energieschilden lassen sich nicht einfach mit den Krallen bearbeiten. Später verlangen auch Sentinels schnelle Reaktionen und einen passenden Angriff zur richtigen Zeit.

Ein Talentbaum mit sechs Spezialfähigkeiten schafft Raum für den eigenen Stil. Vier davon können gleichzeitig ausgerüstet werden. Weitere Verbesserungen betreffen etwa Heilung und Wutaufbau. Wer viel Erfahrung sammelt, kann Fähigkeiten schon deutlich vor dem Ende freischalten.

Viel zu finden, wenig verändert das Spielgefühl

In den Levels warten Materialkisten, Whiskey und weitere Fundstücke. Aus Materialien entstehen unterschiedliche Outfits. Sie geben keine besonderen Fähigkeiten, erhöhen aber über ihre Anzahl Logans Lebensenergie. Auch Krallen dienen nur der Optik.

Whiskey schaltet genetische Verbesserungen frei, die Wolverine weiter verstärken. Hinter Alptraumtüren liegen Kampf- und Parcoursaufgaben. Erfolgreiche Abschlüsse bringen Genetik-Boosts und kurze Erinnerungen aus Logans Leben. Diese Rückblicke bleiben allerdings erzählerisch eher blass.

Die Suche nach diesen Dingen lockert den Weg etwas auf, ersetzt aber keine echte Vielfalt bei den Aufgaben. Über weite Teile bleibt der Kern derselbe: Gegnergruppen ausschalten, Erfahrung sammeln, Fähigkeiten ausbauen, weitermachen.

Starke Bossmomente, manchmal schlechte Sicht

Gerade Bosskämpfe sind wirkungsvoll in Szene gesetzt. Das Spiel baut Spannung auf, bevor der eigentliche Kampf beginnt, und die Begegnungen sind meist fair. Fünf Schwierigkeitsstufen helfen dabei, einen passenden Einstieg zu finden.

Ein Problem bleibt die Übersicht. In engen Bereichen oder zwischen großen Objekten kann die Kamera den Kampf schlecht einfangen. Wenn Gegner Logan einkreisen, ist die nötige Orientierung schnell weg. Dann wird eine fordernde Begegnung unnötig frustrierend.

Die Dialoge sind dagegen ein klarer Pluspunkt. Liam McIntyre gibt Wolverine eine passende Stimme, und die Gespräche der Figuren sind stärker geschrieben als der übergeordnete Handlungsbogen.

Für wen lohnt sich Logans Einsatz?

Wer einen kompromissloseren Marvel-Actiontitel sucht und bereit ist, Kampfmuster zu lernen, bekommt ein gutes Spiel mit viel Wucht. Die brutale Darstellung ist kein Selbstzweck, sondern unterstützt Logans düsteren Charakter.

Wer vor allem eine abwechslungsreiche Struktur oder eine stimmige Neuinterpretation der Comic-Geschichte erwartet, sollte die Erwartungen dämpfen. Marvel’s Wolverine überzeugt dann am meisten, wenn es dich in schwierige Kämpfe wirft und seine Hauptfigur einfach machen lässt, was sie am besten kann.

Über den Autor

Sascha Autor

Gründer und Administrator von GoodGame.Ruhr. Leidenschaftlicher Gamer seit den 90ern ohne Fokus auf spezielle Genres. Wenn er nicht gerade neue Spiele testet, arbeitet er an der Weiterentwicklung der Community, oder geht seiner zweiten Passion, der Musik, nach.