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Review

Assassin’s Creed Black Flag Resynced im Test: Stark zur See

Lydia
  • 1 Min. Lesezeit

Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist ein Remake mit klarer Aufgabe: Es soll an eine Zeit erinnern, in der Ubisofts große Formel noch schlanker wirkte und ein Piratenschiff reichte, um vielen Spielern ein Grinsen ins Gesicht zu drücken.

Das klappt erstaunlich oft. Vor allem auf See. Sobald die Jackdaw durch Wind, Wellen und Kanonenfeuer muss, zeigt Black Flag wieder, warum dieser Teil so lange hängen geblieben ist. Schwächer wird Resynced dort, wo das Remake dem Spieler zu viel abnimmt.

Warum gerade Black Flag?

Die Wahl wirkt logisch. Black Flag hat bis heute einen besonderen Platz in der Reihe, weil es weniger nach Checkliste schmeckt als viele spätere Teile. Edward Kenway startet nicht als edler Held. Er ist ein Freibeuter, der nach Gewinn sucht, eine fremde Identität annimmt und erst später tiefer in den Konflikt zwischen Assassinen und Templern rutscht.

Diese Ausgangslage bleibt stark. Edward ist interessant, weil er nicht sofort einem großen Ideal folgt. Er will Geld, Freiheit und ein Schiff, das Respekt auslöst. Genau daraus entsteht ein besserer Rhythmus als in vielen aufgeblasenen Open-World-Abenteuern. Die Geschichte kommt schneller in Fahrt, ohne erst stundenlang Regeln, Systeme und Nebenpflichten aufzuschichten.

Die Jackdaw ist wieder der Star

Der beste Teil von Resynced ist der Schiffskampf. Das war schon im Original so, und das Remake versteht diesen Kern. Du musst die Jackdaw sauber positionieren, Breitseiten vorbereiten, feindliche Feuerwinkel meiden und mit Wind sowie bewegtem Wasser arbeiten. Greifen mehrere Schiffe gleichzeitig an, kann eine falsche Drehung reichen.

Das Aufrüsten des Schiffs fühlt sich deshalb sinnvoll an. Materialien aus eroberten Gegnern fließen in stärkere Möglichkeiten, bis aus dem kleinen Frachter ein ernstes Kriegsschiff wird. Das ist ein klarer Fortschritt, den man im Spiel spürt, nicht nur eine Zahl im Menü.

Resynced erweitert diesen Bereich mit neuen Optionen. Dazu zählen zusätzliche Waffen und freischaltbare Crewmitglieder, die besondere Boni bringen. Kosmetische Anpassungen gibt es ebenfalls reichlich. Kritisch bleibt der neue Shop, über den optische Inhalte mit Echtgeld gekauft werden können. Die im Spiel vorhandenen Objekte lassen diesen Punkt nicht alles dominieren, aber der Beigeschmack ist da.

An Land ist Edward zu mächtig

Weniger überzeugend ist das überarbeitete Nahkampfsystem. Im Grundsatz bleibt es vertraut: Säbelangriffe, Konter, Pistolen und weitere Werkzeuge. Nur sind diese Mittel nun so einfach und stark, dass normale Kämpfe kaum Druck aufbauen.

Das Konterfenster fällt großzügiger aus. Vor gegnerischen Angriffen warnt ein deutliches blaues Leuchten. Dazu kommt eine Ausweichrolle, die bei gutem Timing in einen Finisher führen kann. Pistolen sind ebenfalls sehr stark und erledigen Feinde sofort oder öffnen sie direkt für einen Finisher. Selbst größere Gegner verlieren dadurch viel von ihrer Bedrohung.

Der Unterschied zum Schiffskampf ist deutlich. Auf See zwingt dich das Spiel zu Planung und sauberer Positionierung. An Land reicht oft der direkte Weg. Das nimmt Missionen Spannung, die eigentlich vom Wechsel aus Schleichen, Kämpfen und Flucht leben sollten.

Schleichen ohne Biss

Auch das Schleichen wurde bequemer, aber nicht zwingend besser. Edward kann jetzt jederzeit geduckt laufen. Das wäre an sich willkommen, doch die Gegner wirken nicht so, als hätten sie darauf eine passende Antwort bekommen.

Dazu kommen entfernte optionale Ziele in den Hauptmissionen. Wer diese Vorgaben früher ohnehin nicht mochte, wird das als Erleichterung sehen. Im Testbild von Resynced entsteht dadurch aber ein anderes Problem: Es gibt weniger Gründe, sauber und vorsichtig zu spielen. Wenn der offene Kampf fast immer funktioniert, bleibt Schleichen zu oft nur eine freiwillige Rolle, nicht eine echte Lösung.

Verfolgungsmissionen wurden ebenfalls entschärft. Das nimmt Frust heraus, ersetzt ihn aber nicht durch spannenderes Missionsdesign. Resynced macht viele alte Kanten glatter. Nicht jede Kante hätte verschwinden müssen.

Schöner, aber nicht überall sauber

Optisch ist der Sprung klar. Resynced wurde in einer aktuellen Version der Anvil Engine neu aufgebaut. Die tropischen Gebiete profitieren besonders. Dichte Pflanzen, bessere Auflösung und moderne Assets lassen die Karibik deutlich frischer wirken. Auch Figuren und Gesichter sind im Vergleich zur alten Fassung ein großes Plus, besonders weil Emotionen nun besser zur weiterhin starken Vertonung passen.

Ganz sauber ist das Bild aber nicht. Bei gutem Tageslicht sieht Resynced oft sehr stark aus. In Schattenbereichen fallen Gesichter dagegen teilweise unangenehm ab. Innenräume können bei den Texturen schwächer wirken als die Außenbereiche. Das ist kein Totalschaden, aber sichtbar genug, um die neue Optik nicht unkritisch abzufeiern.

Mehr Geschichte, aber auch Lücken

Die erzählerischen Ergänzungen gehören zu den besseren Änderungen. Einige Storymomente wurden angepasst, damit Edwards Entwicklung klarer wirkt. Ein frühes Beispiel ist der Konflikt mit Duncan, der nun stärker nach Notwehr aussieht als nach kaltem Mord. Solche Details helfen der Figur.

Auch mehrere Nebenfiguren bekommen mehr Raum. Das geschieht oft über optionale Missionen, wodurch die Hauptgeschichte nicht unnötig gestreckt wird. Das ist die richtige Art von Erweiterung: mehr Kontext für Spieler, die ihn wollen, ohne den Ablauf für alle auszubremsen.

Schade ist der Verlust der alten Moderne-Passagen. Im Original spielte man dort einen Entwickler und untersuchte Abstergo. Viele mochten diese Abschnitte nie, das ist klar. Trotzdem waren sie Teil der alten Assassin’s-Creed-DNA. Die neu eingeführten Passagen am Ende passen eher zu aktuellen Serienteilen, ersetzen diesen Baustein aber nicht gleichwertig.

Auch Freedom Cry und der Multiplayer fehlen. Das macht die Kampagne nicht automatisch schlechter. Trotzdem bleibt die Frage, warum diese Inhalte nicht sinnvoll ersetzt wurden. Ein Remake muss nicht alles konservieren, aber gestrichene Teile hinterlassen Raum, der gefüllt werden sollte.

Wertung

Assassin’s Creed Black Flag Resynced ist dann am besten, wenn es seinem Schiff vertraut. Die Seeschlachten haben Kraft, die Jackdaw-Aufrüstung motiviert, und die Karibik wirkt deutlich lebendiger als früher. Dazu kommen sinnvolle Ergänzungen bei Nebenfiguren und einzelnen Storymomenten.

Gleichzeitig schwächt Ubisoft die Landabschnitte zu stark ab. Kämpfe sind zu ungefährlich, Schleichen verliert an Bedeutung, und entfernte Inhalte werden nicht immer ersetzt. Resynced ist damit kein schwaches Remake. Es ist ein solides, oft schönes Wiedersehen mit einem der stärksten Serienteile, aber auch eines, das seine eigene Bequemlichkeit nicht immer im Griff hat.

Über den Autor

Lydia Autor

Community-Managerin bei GoodGame.Ruhr und Expertin für Mobile Gaming und Casual Games. Sorgt dafür, dass unsere Community lebendig bleibt und organisiert regelmäßige Gaming-Events und Turniere.